Das Jahr 2019 im Rückspiegel

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26. Dezember 2019

Wenn man so will, lief das zurückliegende Jahr 2019 gar nicht mal so schlecht, wenn da im März nicht mein Lkw Unfall auf der Autobahn 2 gewesen wäre.

Auch wenn es manchmal nicht leicht ist, so versuche ich mit meinem Lkw doch stets mit genügend Abstand und angepasster Geschwindigkeit auf den Straßen Deutschlands unterwegs zu sein. Nur ist das leider nicht immer möglich. Der Verkehr nimmt immer mehr zu und man möchte meinen, die Dummheit einiger Kollegen auch.

Ich war mit meinem Lkw von Hannover kommend in Richtung Braunschweig unterwegs. Es galt Lkw Überholverbot. Ob das elektronisch über oder analog rechts neben der Fahrbahn angezeigt wird oder nicht, spielte an diesem Tag (wie an vielen anderen Tagen übrigens auch), keine sonderlich große Rolle. Jedenfalls nicht für die osteuropäischen Kollegen, die sich auf der mittleren Spur befanden. Ich weiß nicht, irgendwie bin ich mittlerweile zu der Erkenntnis gelangt, dass viele osteuropäische Lkw Fahrer unter Demenz bzw. Alzheimer leiden müssen. Wie ist es sonst zu erklären, dass sie kurz nach dem Vorbeifahren an einer Lkw Überholtsverbotsanzeige schon wieder vergessen haben, was sie vor Bruchteilen von Nanosekunden gerade gesehen haben? Ich möchte an dieser Stelle aber auch nicht antiosteuropäisch oder dergleichen rüberkommen, auch zunehmend deutsche Lkw Fahrer leiden unter dieser Erkrankung.

Wie gesagt, ich befand mich mit meinem Lkw auf der rechten Spur und es waren zu der Zeit sehr viele Nutzfahrzeuge unterwegs. Bei einer Geschwindigkeit von ca. 75 km/h fuhr ich mit einem Sicherheitsabstand von mindestens 50 Metern meinem Lkw Vordermann hinterher. Plötzlich scherte ein tschechischer Lkw von der mittleren Spur, mit allerhöchstens 5 Meter Abstand zu meiner Lkw Sattelzugmaschine, nach rechts vor mir ein und legte danach eine Vollbremsung hin. Trotz eines eigentlichen Sicherheitsabstandes und der Aktivierung des Notbremsassistenten, war ich mit meinem Lkw nicht mehr in der Lage einen Auffahrunfall zu verhindern. Dieses Gefühl, wenn einem des Heck eines Lkw´s immer näher kommt, ist unbeschreiblich. Da mein Schutzengel an diesem Tag zufällig zur selben Zeit am selbem Ort unterwegs war, hatte ich großes Glück. Eine Sekunde später oder einen Meter mehr Bremsweg, es hätte alles zu Ende sein können. Trotz des Aufpralls ist mir körperlich aber nichts passiert.

Aufhören oder weiter machen?

So ganz spurlos ging der Unfall an mir aber dennoch nicht vorbei. Ich hatte mir eine Woche Zeit genommen zu überlegen, ob ich nach diesem Unfall überhaupt noch in der Lage sein werde angstfrei Lkw fahren zu können und ob es auf Grund der aktuellen Bedingungen im Straßenverkehr für mich auf der Straße überhaupt noch eine Zukunft gibt. Was mir auf jeden Fall geholfen hat, war einerseits die Unterstützung meiner Frau und andererseits, auch wenn das jetzt etwas unerwartet daher kommen mag, dass ich sofort nach dem Unfall mit einer Ersatz Lkw Zugmaschine weitergefahren bin. Hätte ich das nicht gemacht, so hätte ich mich wahrscheinlich nie wieder in meinem Leben hinter ein Lkw Lenkrad gesetzt.

Es muss die Liebe zu diesem Beruf sein welche mich, trotz des Unfalles, dem Lkw `noch` hat treu bleiben lassen. Noch deswegen, weil sich der Beruf des Lkw Fahrers zukünftig radikal verändern wird. Mal sehen inwiefern mich das noch trifft. Ich bin da aber guter Dinge, weil ich Neuem ja stets aufgeschlossen gegenüberstehe. Vielleicht sitze ich vor der Rente während der Fahrt noch hinter mehreren Überwachungsdisplays und höre mir digitale Ansagen über dann gültige Verkehrszeichen an, währenddessen ich mir Gedanken darüber mache, was im Alter von 95 Jahren mit einem Seniorenstift in einem Pflegeheim noch alles so möglich ist.

Ansonsten war das Jahr 2019 für mich, beruflich wie privat, bis auf wenige Ausnahmen relativ entspannt und ausgeglichen.

Ich fahre mit meinem Lkw nach wie vor im erweiterten Nahverkehr und habe dabei das große Glück, mit einem Top Disponenten zusammen arbeiten zu dürfen. Und ich bin jeden Abend zu Hause. Glücklich verheiratet bin ich zudem auch noch. In diesem Zusammenhang einen lieben Gruß an das Team des Restaurants im Harz an der Okertalsperre, welches unsere Sitzplatzreservierung auf der wunderschönen Außenterrasse für unseren Hochzeitstag im Nachhinein einfach ignorierte, indem es an diesem wunderschönen Tag (an dem man hätte viel Umsatz machen können) lieber vor zog, das Restaurant wegen Unlust geschlossen zu halten. Als auch schöne Grüße an das Ersatzrestaurant des Sporthotels im nahegelegenem Schulenburg, welches sich mit einem orientierungslosem Kellner und einer absurden Vorstellung von Gastronomie hervorragend in Szene setzte. Beeindruckend, wirklich.

Gesundheitlich ist soweit auch alles gut, bis auf die Tatsache, dass ich dieses Jahr 4 Augebrauenhaare verloren habe. Viele Menschen haben ja mit dem Älterwerden ein Problem. Ich dagegen nicht. Ich finde es viel besser, wenn man den eigenen Verfall mit seinem Umfeld teilen kann. So haben wenigsten alle mit denen man in seinem Leben so zu tun hat, etwas davon.

Das nächste Jahr

Ein kurzer Blick in das nächste Jahr verrät mir, dass ich 2020 zur ärztlichen Untersuchung antreten darf. Soll heißen, ich werde 50 Jahre groß und muss dann dem Arzt irgendwie verkaufen können, dass ich körperlich und geistig immer noch in der Lage bin, einen Lkw zu lenken. Welche Tricks und Kniffe ich dafür verwenden werde, sei an dieser Stelle noch nicht verraten.

Ansonsten sage ich dem Schicksal hiermit Danke für ein relativ gutes Jahr 2019 und dafür, dass ich auf diesem Planeten weiterhin noch ein wenig mein Unwesen treiben darf.

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