Lkw Fahrer und ihr Wochenende im Lkw

Lesezeit 2 Minuten

06. Dezember 2018

Normalerweise lasse ich mich nicht dazu herab, in der Bild Zeitung publizierte Artikel zum Thema Lkw und Transport zu kommentieren, aber Ausnahmen bestätigen halt die Regel. Dieses Schweineblatt (um es der Höflichkeit halber noch halbwegs freundlich auszudrücken) hat durch den Autor Kai Franzke jr. einen Artikel über die EU Verordnung zur 45 Stunden Wochenruhezeit für Lkw Fahrer veröffentlicht. Der Artikel beginnt mit folgendem Satz:

Die EU will, dass LKW-Fahrer am Wochenende nicht mehr in ihrem Brummi schlafen. Stattdessen sollen die Transportunternehmen für ihre Fahrer Unterkünfte bezahlen. Das beschloss der EU-Verkehrsministerrat.

Und der Geschäftsführer der Spedition Franz Wirtz GmbH aus Bornheim (NRW), Wilfried Wirtz (58), ist sich auch nicht zu schade dafür, seine Person für diesen Artikel als Witzfigur zur Verfügung zu stellen.

Er fragt sich:

„Warum geht man in der Verordnung nicht nur gegen die vor, die keine Möglichkeit zum Hinlegen in den Fahrzeugen haben? Viele derer, die sich nicht an die Regeln halten, campieren vor oder sogar UNTER den Fahrzeugen, erhalten keine Vernünftigen Spesensätze, essen Konserven. Die, die seit vielen Jahren viel Geld investieren, um es den Fahrern so komfortabel wie möglich zu machen, werden nun bestraft.“

Nun, nicht nur die, die ihre Fahrer zum Beispiel zwingen unter dem Fahrzeug zu schlafen (wenn dem tatsächlich so sein sollte, was ich mir aber bei weitem nicht vorstellen kann), sondern auch die, die ihren Fahrern Lkw Kabinen mit Komfort bieten, werden bestraft, wenn sie sich nicht an die Regeln halten. Und diese Regeln besagen nun einmal unter anderem, dass Lkw Fahrer am Wochenende nicht grundsätzlich nicht im Lkw schlafen dürfen (wie fälschlich am Anfang des Artikels behauptet), sondern ihre 45 Stunden Wochenruhezeit nicht mehr im Lkw verbringen dürfen. Aus gutem Grund übrigens.

Da stell ich mir doch die Frage, ob es der gute Herr Wirtz wirklich nötig hat, sich hier von der Bild Zeitung so vorführen zu lassen. Oder ist Herr Wirtz gar so abgebrüht und nutzt diese peinliche Veröffentlichung als Werbung, um auf sein Speditionsunternehmen aufmerksam zu machen? Denkbar wäre es. Denn laut Artikel ist sein Unternehmen bereits seit 30 Jahren logistisch in Europa unterwegs. Mit Herzblut (ich werd gleich emotional), zudem er zuletzt in seine Flotte viel Geld investiert hat, damit es keinem seiner Fahrer an Komfort fehlt. Toll. Nein wirklich. So einen Chef wünscht sich doch der gepeinigte Kraftfahrer von heute.

Meiner Meinung nach, ist das auch eine interessante Art, als Spediteur dem akuten Fahrermangel entgegen zu wirken. Mit einer subtil und emotional aufgeladenen Werbebotschaft, versteckt in einem Text eines täglich erscheinenden Primaten-Pamphletes.

Am Schluss des Artikels wird dann tatsächlich noch die richtige Frage gestellt:

Sind Übernachtungen im Lkw komplett verboten?

…und man mag es kaum glauben, auch noch richtig beantwortet:

Nein! Das Kabinen-Verbot gilt für die sogenannte „reguläre Wochenruhezeit“ (45 Stunden am Stück, alle sechs Tage) – also zumeist die Wochenenden, wenn in Deutschland z.T. ein Lkw-Fahrverbot gilt. Unter der Woche bleibt das Schlafen in der Koje erlaubt. Die EU-weite Einführung soll die Kontrollen verschärfen und den Druck auf Spediteure erhöhen.

So endet dieser Bild Zeitungsartikel für den guten Herr Wirtz wenigstens nicht ganz so peinlich.

Ein Gedanke zu “Lkw Fahrer und ihr Wochenende im Lkw

  1. ja das ist wohl wahr dass dies schon lange so festgeschrieben ist aber vor herrn lausberg hat es niemanden interessiert. natürlich ist es einfach das rad das sowieso schon vorhanden ist abzuschrauben um den lkw lahmzulegen aber das nützt weder dem lkw noch dem fahrer.

    als ich mit 21 jahren in den ersten lkw eingestiegen war gab es noch keine hochdächer, man 2000 und sk mit aufsatz waren gerademal in planung und schon damals waren fahrer (auch in doppelbesatzung) zu zweit in solchen hundehütten unterwegs, niemand interessierte es bis dann viele jahre später mal eine gewisse mindestanforderung an diese kabinenmasse gestellt wurden.

    mitlerweile haben wir sämtliche annehmlichkeiten von fernseher mit automatischer sat-schüssel, den neusten scania S 500, sind nur ganz selten das 3te wochenende unterwegs fahren europäische maschinentransporte weil kühlertransporte zwecks gewinnmaximierung in osteuropäischen händen sind.

    seit 14 jahren fahre ich nun zusammen mit meiner frau u.a. 5 jahre bei einer änhnlichen spedition wie die des herrn wirtz und finden es absurd was da passiert:

    praxiferne menschen die einen lastwagen villeicht bei einer automobilmesse von innen sahen bestimmen dass man sein „wohnzimmer“ verlassen muss um in irgendwelchen baracken mit knoblauchmuffigen osteuropäern zu nächtigen. sein hab und gut auf einem parkplatz dem zufall zu überlassen. denn wenn sie mehr fernfahrer als heimschläfer wären dann wüssten sie was für ein ehepaar im FREIWILLIGEN !! mehrwöchigen fernverkehr in einem 2 ten zuhause von nöten ist. aber man hat ja sowies noch nie die gefragt die sich mit etwas auskennen ! !
    (achja meine frau muss ja die zwei tage im „frauenzelt“ schlafen, eine „tolle“ idee)

    das „problem osteuropäer“ kann man nicht lösen in dem man die letzten deutschen fernfahrer auchnoch bestraft, sondern verhindert dass billige löhne billige produkte produzieren die billig in der gegen herumgefahren werden müssen.

    sollten man nicht eher die vorzeichen für ost und westunternehmen angleichen, gleiche löhne bezahlen, subventionen streichen ? anders werden bestenfalls wieder die kleinen bestraft die sich keine „wabers plätze“ in ganz europa nebst fahrer wechsel stationen ..( die ja die sogenannten „hotels“ dann tatsächlich wären), leisten können.

    … aber die nächste instanz löst selbst dieses problem in dem noch billiger fahrerlose lkw alle sozialvorschriften egalisieren … frohes fernfahrerleben !!!

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