Der elfte Tag auf Madeira

Lesezeit 3 Minuten

04.10.2018

Wer auf Madeira hoch hinaus will, der muss entweder Immobilienmakler werden oder den höchsten Berg ‚Pico Ruivo‘ besteigen.

Beginn des Wanderweges zum höchsten Berg Madeiras

Auch wenn man sich im Urlaub eigentlich ausruhen soll, so integrierten wir pragmatisch diese Wanderung zum höchsten Berg Madeiras einfach in unser Ausruh- und Entspannungskonzept mit ein und machten uns heute direkt nach dem Frühstück mit unserem Mietwagen auf zum Ausgangspunkt für diesen schönen Ausflug. Doch zuvor machten wir noch einen kleinen Abstecher am Eucuameda Pass, welcher direkt über unser schönes São Vicente führte. Die Aussicht war mal wieder atemberaubend.

Ausblick vom Eucumeda Pass

Als wir fertig waren mit staunen, fuhren wir zum ca. 50 km entfernten Parkplatz, der als Ausgangspunkt für gehfaule Menschen konzipiert wurde. Das dachten wir jedenfalls. Denn es gibt drei verschiedene Routen, diesen Berg zu bezwingen. Wir haben uns von daher für die vermeintlich leichteste Route entschieden.

Wanderweg Pico Ruivo

So leicht, wie diese Route aussah, war sie im Endeffekt aber doch nicht. Es ging steil voran und das Lustige war, dass man nach ein paar Metern dachte, den Berg den man mit links bezwingen wollte, bereits glaubte zu sehen. Der Überraschung halber mussten vorher aber noch andere Berge umwandert werden, bevor man sah, auf was man sich da wandertechnisch eigentlich eingelassen hatte. Aber wie gesagt:

Helden weinen nicht. Helden leiden leise.

Auf der Hälfte der Strecke, kurz vor ganz oben von Madeira, stand da plötzlich ein Haus. Einfach so, mitten im Nichts.

Entschuldigung, aber hier stimmt doch was nicht. Wer bitte ist denn so außergewöhnlich anders in seiner Denkstruktur und baut hier oben ein Haus? Ich meine ok, Mobbing ist schlimm, aber muss man deswegen gleich hoch oben auf einem Berg ein Haus bauen, nur um endlich Ruhe vor Erniedrigung zu haben? Wofür gibt es denn die Telefonseelsorge? Wie ich an anderer Stelle bereits schrieb, dieses Stück Insel wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet.

Und haben wir den Gipfel nun erreicht? Selbstverständlich.

Spitze Pico Ruivo

Helden schauen sich die Dinge eben halt auch gern mal von ganz oben an.

Nach einer internen Siegerehrung mit Südfrüchten, Keksen und Wasser ohne Geschmack, machten wir uns wieder auf den Weg zurück zum Parkplatz. Dabei kam uns ein russisches Urlaubspaar entgegen. Er in kurzer Hose und Turnschuhe und sie im Kleid und schicken Abendsandalen. Genau das richtige Outfit für eine Bergwanderung auf steinigem Untergrund. Aber gut, wer Rasierwasser als Ersatz für nicht vorhandenen Alkohol konsumiert, darf auch in Abendgarderobe einen 2000er erklimmen (Vorurteil, ich weiß).

Zum Abschluss des Ausflugstages sind wir an den östlichsten Zipfel, nach Ponta de São Lourenco gefahren und haben dort eine afrikanisch wirkende Landschaft und einen weiteren Strand zum Baden entdeckt.

Strand von Ponta de São Lourenco

Es ist erstaunlich, wie landschaftlich vielfältig Madeira ist. Man fährt aus dem Tunnel und zack, Afrika. Man fährt durch einen anderen Tunnel und zack, Großstadtmetropole. Und fährt man widerum durch einen ganz anderen Tunnel, zack, grünes Hochgebirge. Mich würde in dem Zusammenhang mal interessieren, welchen Grund ein madeiranischer Ureinwohner hätte, bis auf mehr Lohn (Durchschnittslohn in Madeira beträgt ca. 800 Euro), im Fall des Falles, diese Insel verlassen zu wollen. Also wegen der wunderschönen Landschaft garantiert nicht.

Der Wander- und Ausflugstag neigte sich so langsam dem Ende. Wir fuhren mit unserem Mietwagen nach Hause in unser Ferienhaus, wo wir auf einer unserer drei Terrassen, bei Wasser und lecker Bier unser Abendessen genossen und den lieben Gott einen guten Mann sein ließen. Mal schauen, was der zwölfte Tag auf Madeira bringt.

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