Der neunte Tag auf Madeira

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03.10.2018

Bisher haben wir uns die Südwestküste, die Südostküste und die Nordwestküste Madeiras angeschaut. Und wer damals in der Schule in Geometrie richtig aufgepasst hat, wird festgestellt haben – ja genau, eine Himmelsrichtung fehlt noch. Richtig, die Nordost Himmlesrichtung bzw. die Nordostküste Madeiras.

Um unseren madeiranischen Küstenroadtrip zu vervollständigen, sind wir heute nach dem Frühstück erst einmal bei uns in São Vizence rechts in den Tunnel in Richtung São Jorge zum Aussichtspunkt ‚Miradouro do Curtado‘ abgebogen.

Miradouro do Curtado

Der Ausblick war atemberaubend, wie so vieles auf dieser Insel. Nur das Wetter spielte nicht so wirklich mit. Wenn es auf der südlichen Seite der Insel trocken und warm ist, so ist das noch lange kein Garant dafür, dass es überall auf der Insel Madeira so ist. Es ist aber auch gut möglich, dass es hoch oben in den Bergen nieselig feucht ist und unten beim Wandern direkt an der Küste, einem die Sonne warm und wohlig auf die äußeren Hautpartikel des eigenen Wesens brennt.

Und Apropos wandern. Ja wir haben es wieder getan. Aber dieses Mal haben wir den Schwierigkeitsgrad etwas erhöht. Dazu später mehr.

Als wir mit ’nach unten gucken‘ von der Aussichtsplattform, welche sich direkt in einer Sfraßenkurve befindet und angeblich den spektakulärsten Blick auf Madeira bieten soll, fertig waren, sind wir mit dem Auto weiter in Richtung Nordosten, nach unten in den Ort ‚Faial‘ gefahren. Auf der Fahrt dahin haben wir ein Schild gesehen, auf dem etwas mit Ruines stand. Neugierig wie wir nun einmal sind, haben wir dem Hinweis Folge geleistet. Wir entdeckten einen relativ abgelegen Parkplatz, eine verlassene Pool- und Naturteichbadeanlage…

Versteckter Strandabschnitt von Faial

…, eine Ruine, einen spektakulären Wanderweg direkt an der Steilküste entlang und zwei Deutsche, die mit einer großen Zigarette (mit was drin), an einem Tisch saßen und uns einem vom Pferd erzählen wollten. Was zum Beispiel der Grund dafür ist, warum es manche deutsche Auswanderer auf Madeira leicht haben mit den Einheimischen warm zu werden. Wenn zum Beispiel der madeiranische Ureinwohner Sonntags um 13 Uhr seinen Rasen mäht und der deutsche Auswanderer seinen neuen Nachbarn mit ‚Olã‘ (Hallo) oder so begrüßen will, er dennoch keine Antwort von seinem Rasen mähenden Nachbarn dafür bekommt, so bräuchte der deutsche Auswanderer wenig später nur einen lauteren Rasenmäher benutzen und der Madeiraner sei davon so sehr beeindruckt, dass dadurch alle Dämme brechen und eine enge Verbundenheit zwischen Insulaner und Auswanderer entstünde. Aber wie gesagt, das war eine große Zigarette, welche die Beiden da weggezogen hatten und gelacht hatten sie dabei auch sehr viel.

Da wir keine Lust auf Grimm’s Märchenstunde hatten, wanderten wir weiter und entdeckten das, auf das uns das Hinweisschild hinwies.

Ruine in São Jorge am steinigen Strand

Naja, nichts Welt bewegendes, aber immerhin, für Touristen reichts. Dahinter wurde es allerdings richtig interessant.

Wanderweg am Felsen

Wandern an den Levadas (Wasserkanälen) entlang, das kann ja (fast) jeder. Aber wandern über eine waghalsige Bretter- und Beton Konstruktion, hoch oben über der tosenden See, steil am Felsen entlang? Das ist nur was für Menschen wie uns und das obwohl meine Frau unter Höhenangst leidet. Es bedarf wirklich etwas Überwindung da rüber zu marschieren. Aber wie gesagt:

Helden weinen nicht. Helden leiden leise.

Diese halsbrecherische Tour wird auf jeden Fall mit einem superhaftem Heldengefühl und einem fantastischem Blick auf die Bucht von São Jorge und dem Atlantik belohnt.

Bucht von São Jorge

Nachdem wir diesen Blick genossen hatten, machten wir uns auf den Weg in den Ortskern von São Jorge. Hier besuchten wir die für ihren Altar berühmte Ortskirche.

Ortskirche São Jorge

Ich gebe es zu, ich habe es nicht so mit Kirche, Gott und Glaube und so, ich kann mich aber an gelungener Architektur erfreuen. Nach der Besichtigung dieser heiligen Immobilie, gingen wir zurück zu unserem Mietwagen und fuhren nach ‚Fajã dos Padres‘. Diese Stelle der Insel ist für eine steile Seilbahn bekannt. Diese führt hinunter zu einem Küstenabschnitt, welcher auch nur durch selbige zu erreichen ist.

Seilbahn Fajã dos Padres

Unten gibt es dann ein paar Häuser, ein kleines Restaurant sowie eine Möglichkeit zum Baden. Ich habe unten an diesem Küstenabschnitt sogar einen Bagger gesehen. Wie der da hingekommen ist? Keine Ahnung. Eine Straße nach unten gibt es ja nicht. Manchmal bekomme ich den Eindruck, dass diese Insel mehr Fragen hinterlässt, als sie Antworten gibt.

Gefahren sind wir mit der Seilbahn nicht. Eine Heldentat reichte meiner Frau mit ihrer Höhenangst für heute aus. Allerdings haben wir hoch oben über dem Atlantik aus sicherer Entfernung noch versucht, ein paar Wale oder Delfine zu entdecken. Wir haben aber nur ein Schiff aus Richtung Festland kommend gesehen. Immerhin, besser als nichts. Von weit oben und mit viel Fantasie, kann so ein Schiff auch mal wie ein Wal oder Delfin aussehen. Bei einem Kinderkarussel geht’s doch auch.

Nachdem wir mit unserer Suche fertig waren, sind wir etwas ‚traurig‘, ob der unsichtbaren Wale und Delfine, nach Hause in unser Ferienhaus gefahren. Hier haben wir dann auf einer unserer drei Terrassen, bei Wasser und lecker Wein zu Abend gegessen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Mal schauen, was der zehnte Tag auf Madeira bringt.

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