Ein angeblicher Autohof

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Zur Zeit bin ich im sogenannten erweiterten Nahverkehr unterwegs. Das bedeutet für mich, dass ich mindestens zweimal die Woche im Lkw schlafen muss. Von daher bin ich immer ganz froh, wenn ich auf einem Autohof übernachten kann. Das kostet mich zwar jedesmal eine Gebühr (welche ich bei den meisten Autohöfen als Guthaben im Shop-Restaurant wieder einlösen kann), aber ich mag es eben nicht, morgens ungeduscht den Tag zu beginnen.

Eigentlich habe ich persönlich auch gar nicht so hohe Erwartungen an einen Autohof. Ich möchte mit meinem Lkw gern relativ ruhig und sicher stehen, wie gesagt duschen können und das Essen im Restaurant oder Shop sollte schmecken. Alles andere oben drauf empfinde ich schon als eine gewisse Form von Luxus. Freundlichkeit und saubere sanitäre Anlagen zum Beispiel. Nicht, dass mir Sauberkeit und Freundlichkeit egal wären, aber das als Anspruch zu erheben, habe ich mir im Laufe meiner Zeit als Berufskraftfahrer, auf Grund der bisher gemachten Erfahrungen, lange abgewöhnt. Das was ich jedoch auf dem Walter Koch Autohof Osnabrück sehen und erleben durfte, das ist mir bisher auch noch nicht untergekommen.

Kurz nach 17 Uhr traf ich mit meinem Lkw auf diesem Autohof ein. Im Prinzip ist dieser Autohof nur ein vorgelagerter Parkplatz der Spedition Koch Osnabrück. Die Auffahrt zum Autohof wird von dieser Spedition als Zufahrt zum Betriebsgelände genutzt und das rund um die Uhr, also auch nachts. Auf der anderen Seite ist dann dementsprechend die Ausfahrt vom Betriebsgelände dieser Spedition. Und wo führt diese Ausfahrt entlang? Richtig, über den Autohof, vorbei an den dort parkenden Lkw´s. Aber dem nicht genug. Diese Spedition nutzt die freien Flächen vor den parkenden Lkw´s auch zum sogenannten Umbrücken (Wechselbrückentausch). Und das ebenso 24 Stunden lang. Erschwerend kommt die direkt gegenüberliegende Bahnstrecke hinzu. Man glaubt ja gar nicht, wie viel Dezibel an Lärm so ein vorbei fahrender Güterzug erzeugen kann.

Ich erkundigte mich beim Kassierer der Autohof Tankstelle, wie die Gepflogenheiten dieses Autohofes sind. Sprich – Was kostet die Übernachtung? Wo sind die Duschen und was gibt es zu Essen? Der ziemlich schlecht gelaunte Kassierer der Autohof Tankstelle antwortete auf meine Fragen ziemlich genervt.

Willst du jetzt hier parken oder nicht? Wenn du hier parkst, dann kostet das 5 Euro und morgen früh gibt es dafür einen 0,2 l Kaffee für umsonst. Duschen kannst du in der Spedition, aber nur bis 22:00 Uhr oder ab morgen früh wieder ab 06:00 Uhr oder du gehst über die Straße rüber zum Rasthaus. Essen kannst du hier drüben in der Imbissbude. Noch was?

Na ja, ich wollte da nicht parken, ich musste. Weil ich den nächsten Früh einen Ladetermin ganz in der Nähe des Autohofes hatte und mir somit eigentlich gar nichts anderes übrig blieb. Bevor ich aber die 5 Euro bezahlen wollte, wollte ich mir in der Spedition erst einmal die Duschen und die sanitären Anlagen ansehen. Sie waren zwar nicht im allerbesten Zustand, ich habe aber auch schon Schlimmeres gesehen. Das Problem war nur, dass ich den Autohof nächsten früh spätestens um 06:00 Uhr wieder verlassen wollte, die Duschen aber erst ab 06:00 Uhr benutzt werden konnten. Allerdings war da ja noch das Rasthaus auf der schräg gegenüberliegenden Seite des Autohofes. Ich fragte nach, ob ich den nächsten Morgen gegen 05:15 Uhr dort duschen könnte.

Oh, das tut mir leid,

erhielt ich von der guten Frau als Antwort.

…um diese Zeit ist hier noch Niemand. Sie können vielleicht Glück haben, wenn die Putzfrau da ist. Die könnte ihnen dann eventuell aufmachen.

Ich muss dazu erwähnen, dass das Rasthaus nicht nur ein Rasthaus ist, sondern auch ein Hotel. Ich hatte vor diesem Hintergrund kurz den Gedanken in Erwägung gezogen, auf Grund der Umstände auf diesem Autohof, mir ein Zimmer in diesem Rasthaushotel zu nehmen. Der Preis für eine Übernachtung hielt mich vom diesem Vorhaben aber ab.

Ich ging also leicht enttäuscht zurück zum Kassierer der Autohof Tankstelle und bezahlte die 5 Euro. Ein anschließender Blick in die Imbissbude genügte mir, um mich innigst auf meine Nahrungsmittel aus meinem Kühlschrank zu freuen. Man muss ja nicht jeden Abend warm essen. Und zum Glück habe ich für Notfälle auch immer meinen Wasserkanister dabei. Waschen und Zähne putzen geht ja auch im Lkw. Ist zwar nicht das Gleiche wie duschen, aber immer noch besser, wie sich gar nicht zu waschen und sich so frisch und sauber zu fühlen, wie ein U-Boot Fahrer nach langer Fahrt durch den Ozean.

Nachdem ich bezahlt hatte, ging ich zurück zu meinem Lkw. Irgendwie ließ mich der Gedanke nicht los, diese Nacht kein Auge zu bekommen zu können. Nach langem Überlegen entschließ ich mich, trotz der bereits bezahlten 5 Euro, den 25 Kilometer entfernten Autohof Ladbergen anzufahren. Ausreichend Fahr- und Schichtzeit hatte ich ja noch. So musste ich zwar den nächsten Morgen etwas früher aufstehen und die 25 Kilometer wieder zurück fahren, aber dafür hatte ich eine erholsame Nacht.

Zurück zum Walter Koch Autohof in Osnabrück. Was ich mich bei diesem Autohof ernsthaft frage, ist, wie hat dieser Autohof es geschafft, die Bezeichnung Autohof zu erhalten? Da müssten doch bestimmte Kriterien erfüllt sein. Und tatsächlich.

  • Ein Autohof darf maximal 1 Kilometer von der Autobahnanschlussstelle entfernt sein
  • Die Straßenverbindung muss für den Schwerverkehr gut befahrbar sein
  • Berücksichtigung der Anliegerinteressen Dritter
  • Der Autohof muss jeden Tag, auch an Feiertagen und das rund um die Uhr geöffnet haben
  • Es müssen 50 LKW-Parkplätze an schwach frequentierten (DTV bis 50.000 Kfz) Stellen zur Verfügung stehen und 100 LKW-Parkplätze an stärker frequentierten Autobahnen
  • PKW-Parkplätze müssen getrennt vorhanden sein
  • Das Tanken muss ganztags (24h) möglich sein
  • Für Fahrzeugreparaturen muss Ihnen vom Autohof eine Fachwerkstatt und Servicedienst genannt werden
  • Ein unfangreiches Speiseangebot muss von 11-22 Uhr geboten sein, außerhalb dieser Zeiten müssen Getränke und kleine Imbisssnacks zur Verfügung stehen
  • Sanitäre Einrichtungen (Toilette) müssen Behindertengerecht ausgestattet sein
  • Für die besonderen Bedürfnisse des Fahrpersonals müssen die Sanitären Einrichtungen ausgestattet sein

Ob der Autohof maximal 1 Kilometer von der Autobahn entfernt liegt, das kann ich nicht mehr genau beurteilen, da ich das nicht nachgemessen habe. Das mit den 50 Lkw Plätzen wage ich zu bezweifeln. So viele waren es mit Sicherheit nicht. Wenn man auf Imbissbudenfraß steht, dann gibt es dort ganz bestimmt auch ein umfangreiches Speiseangebot. Meiner Meinung nach, waren die sanitären Anlagen nicht Behindertengerecht. Ob sie für die besonderen Bedürfnisse des Fahrpersonals ausgestattet waren, das kann ich an dieser Stelle nicht sagen, da ich die besonderen Bedürfnisse des Fahrpersonals nicht kenne. Ich kenne nur meine Bedürfnisse und die lauten wie folgt:

Auf einem Autohof sollte ein Lkw Fahrer mit seinem Lkw relativ ruhig und sicher stehen, rund um die Uhr die Möglichkeit haben duschen zu können und gutes Essen bekommen.

All das bietet der Walter Koch Autohof Osnabrück in der Porsche Str. 1 meiner Meinung nach nicht, dennoch darf er sich Autohof nennen. Ich verstehe es nicht, muss ich aber auch nicht. Übernachten werden ich auf diesem ‚angeblichen‚ Autohof jedenfalls nicht.

2 Gedanken zu “Ein angeblicher Autohof

  1. Da ist doch unsere altbekannte Stamm-Shell-Tanke in Braunschweig auch nicht viel besser. Okay, die sanitären Anlagen haben sie inzwischen im Griff, aber das Speisenangebot … wobei ich gar nicht weiß, ob das Restaurant inzwischen schon wieder geöffnet hat, aber dort hab ich auch schon um 20:30 ein „Küche geschlossen“ vernehmen müssen, und Ruhetage hat(te) es dort auch.

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