Ich bin nicht so einer

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24.11.2017

Eigentlich soll ich heute einen Auflieger bekommen der schon vorgeladen ist. Aber wie das manchmal so ist im Logistikleben, kommt es erstens anders und zweitens, als man denkt. So erhalte ich einen leeren Auflieger mit dem ich mich an ein bestimmtes Tor zur Beladung begeben soll.

Angekommen an dem Tor, öffne ich die Seitenplane des Aufliegers, nehme alle Seitenbretter heraus und lege diese ordnungsgemäß auf den Boden. Nun heißt es etwas warten bis der Gabelstaplerfahrer kommt und anfängt meinen Lkw zu beladen. Derweil spricht mich der aus Sachsen stammende Lkw Fahrer Kollege vom Nachbarbeladetor an.

Der sächsische Kollege:

Nu Kollesche, öch hier am Löden?

Was für eine Begrüßung, denke ich mir so im Stillen. Das ist ja ähnlich einer Kennenlernparty für langjährige Singles, wo er sie mit den Worten: „Na, auch hier?“, begrüßt.

Ich antworte:

Nein, ich habe den Auflieger einfach nur so aufgemacht. Eigentlich warte ich hier nur auf den Brötchenwagen.

Der sächsische Kollege:

Öch, kömm, du mochst doch nur Spöß. Du willst döch hier öch löden, sonst hättste döch deinen Öffliescher nie öffgömöcht.

Alter Finne, ich stelle fest, er hat die Situation ja doch richtig erkannt, aber warum dann diese seltsame Frage zur Begrüßung? Ich glaub, ich weiß warum.

Ich:

Kann das sein, dass du im Fernverkehr fährst und dadurch zu oft alleine bist?

Der sächsische Kollege:

Wie mäinsten denn dös?

Bei dieser aufdringlichen Fragerei und diesem Dialekt, fällt es mir heute richtig schwer das Menschliche nicht aus den Augen zu verlieren.

Ich:

Kollege, jetzt mal ganz im Ernst. Ich bin nicht so einer. Ich stehe nicht so auf die plumpe Tour. Ich will erobert werden, mit Anspruch, Intelligenz und Witz und so. Verstehst du was ich meine?

Seinem Gesichtsausdruck zu entnehmen scheinbar nicht. Was ich persönlich aber nicht wirklich schlimm finde, denn der Gabelstaplerfahrer ist da und somit kann endlich die Beladung meines Aufliegers losgehen.

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