Was wer denkt, fühlt und warum

Lesezeit 4 Minuten

16.11.2017

Heute ist Donnerstag und somit Zeit für ein bisschen Aufklärung. Das steht zwar in keinem direkten Zusammenhang, aber in meinem Blog kann ich ja machen was ich will.

Also, folgende Situation…

Oleg Hatseiligkowski, ein polnischer Lkw Fahrer ist mit seinem Lkw auf der Autobahn A2, Höhe Peine, aus Polen kommend in Richtung Holland unterwegs. Oleg Hatseiligkowski wird von seiner Firma nach gefahrenen Kilometern bezahlt. Das bedeutet für Oleg Hatseiligkowski, dass er nur Geld verdient, wenn sein Lkw im Rahmen der vorgeschrieben Fahrzeiten, so viel Kilometer wie möglich zurück legt. Steht der Lkw beim Kunden oder im Stau, verdient Oleg Hatseiligkowski keinen müden Cent. Dementsprechend ist Oleg Hatseiligkowski stets bemüht seinen Lkw im Rahmen der Vorschriften so gut es irgendwie geht, am Laufen zu halten. Auch heute ist das so. Und da kommt ihm der ca. 10 Kilometer lange Stau zwischen Peine und Lehrte alles andere als gelegen. Zusätzlich ist seit Braunschweig Lkw Überholverbot.

Oleg Hatseiligkowski ist genervt. Wie soll er so Geld verdienen? Und überhaupt. Warum ist seit Braunschweig auf einer dreispurigen Autobahn Lkw Überholverbot? Oleg Hatseiligkowski versteht die Welt nicht mehr.

Soweit erst einmal zu meinem polnischen Kollegen.

Kommen wir nun zu Lothar Armdran. Er ist Dozent für wirksame Maßnahmen, selbstständig und auch auf der Autobahn A2 von Braunschweig kommend in Richtung Holland, bzw. Hannover unterwegs. Lothar Armdran fährt auf der mittleren Spur und nähert sich langsam dem beginnenden Stau zwischen Peine und Lehrte. Kurz vor ihm schert Oleg Hatseiligkowski mit seinem Lkw von rechts nach links auf die mittlere Spur aus. Ab jetzt geht es nur noch langsam voran, aber es geht voran. Immerhin. Auf der dritten Spur rollt es dagegen noch relativ zügig. Lothar Armdran möchte deswegen gern auf die dritte Spur der Autobahn wechseln, was aber auf Grund der Dichte der Fahrzeuge und der gefahrenen Geschwindigkeit nicht möglich ist. Und nun kommt es für Lothar Armdran richtig dick. Oleg Hatseiligkowski bleibt mit seinem Lkw rechts blinkend einfach stehen. Nichts geht mehr für Lothar Armdran. Weder nach vorn, weder nach rechts, geschweige denn nach links. Was in dieser Situation für Lothar Armdran richtig bitter ist, das ist die Tatsache miterleben zu müssen, wie sich auf der dritten Spur der Autoverkehr, trotz Stau, weiter fortbewegt, nur Lothar Armdran eben keine Chance (aus oben genannten Gründen) hat, auf diese Spur zu wechseln. Geschlagene 20 Minuten verbringt Lothar Armdran hinter dem rechts blinkenden (aber in die Lkw Warteschlange rechts nicht integrierbaren) Lkw von Oleg Hatseiligkowski.

Soweit erst einmal zu dem Dozenten für wirksame Maßnahmen.

Kommen wir jetzt zu den vielen Kollegen, welche sich mit ihren Lkw’s rechts auf der ersten Spur der Autobahn in der langen Lkw Warteschlange befinden. Alle haben sich vorbildlich an das seit Braunschweig geltende Lkw Überholverbot gehalten und sich, wie bei REWE in der Leergutabteilung, brav hintereinander angestellt.

Und jetzt kommen wir mal zu dem Punkt was wer denkt, fühlt und warum.

Was Oleg Hatseiligkowski der polnische Lkw Fahrer denkt und fühlt, sollte soweit klar sein. Ihm ist sein Lohn heilig. Alles andere (Überholverbote und seine rechts wartenden Kollegen) hat sich dieser Prämisse unterzuordnen.

Was die zahlreich rechts wartenden Lkw Fahrer Kollegen denken und fühlen, sollte eigentlich auch soweit klar sein. Sie sind sauer. Nicht nur wegen des Staus und des einhergehenden Zeitverlustes, auch wegen des unkollegialem Verhaltens von Oleg Hatseiligkowski. Für sie mogelt sich Oleg Hatseiligkowski auf der mittleren Spur bis zur beginnenden Baustelle, illegal an ihnen vorbei, um sich dann ganz vorn rotzfrecherweise noch nach rechts in die wartende Lkw Schlange wieder hinein zu drängeln. Dieses Gefühl der Übervorteilung und Demütigung ist für die rechts wartenden Lkw Kollegen so unerträglich, dass sie nicht bereit sind Oleg Hatseiligkowski nach rechts in die wartende Lkw Schlange wieder zurück zu integrieren. Dementsprechend kommt Oleg Hatseiligkowski mit seinem Lkw auf der mittleren Spur rechts blinkend zum Stehen. In die Baustelle mit 1m90 Breite will er mit seinem 2m50 breiten Lkw nämlich nicht hinein fahren.

Aber was denkt und fühlt nun Lothar Armdran in seinem Pkw hinter dem auf der mittleren Spur stehenden Lkw von Oleg Hatseiligkowski? Er ist natürlich sauer, das sollte soweit auch klar sein. Aber warum? Weil er es erstens nicht verstehen kann, warum die rechts stehenden Kollegen Oleg Hatseiligkowski mit seinem Lkw nicht wieder einscheren lassen (damit er, also Lothar Armdran, endlich weiter fahren kann) und zweitens, weil er auf Grund der geringen Abstände und gefahrenen Geschwindigkeiten der auf der linken Spur fahrenden Autos, eben nicht auf selbige wechseln kann, um auch hier endlich weiter fahren zu können.

Alle sind sauer. Oleg Hatseiligkowski weil er kein Geld verdient. Die Lkw Kollegen rechts, weil sie auch im Stau stehen und weil sie sich zudem von Oleg Hatseiligkowski übervorteilt und erniedrigt fühlen. Und Lothar Armdran? Der ist wie gesagt natürlich auch sauer. Weil er wie blöd geschlagene 20 Minuten hinter dem Lkw von Oleg Hatseiligkowski auf der mittleren Spur verbringen muss, obwohl es ja links und vor dem Lkw vor ihm läuft.

Jetzt haben wir also festgestellt, dass so ziemlich alle sauer sind, bis auf die Verkehrsteilnehmer auf der dritten Spur der Autobahn.

Aber wie sieht es mit einer Lösung aus? Was kann oder muss getan werden, damit alle wieder zufrieden sind und nicht nur die Verkehrsteilnehmer auf der dritten Spur?

Wer eine oder mehrere Lösung hat, der darf sie gern als Kommentar schreiben.

5 Gedanken zu “Was wer denkt, fühlt und warum

  1. Wenn alle mal ein wenig ihr eigenes Ego zurückstellen würden, wäre jedem ein Stück weit geholfen.
    Oleg, weil er mit seinem jetzigen Verhalten mehr Zeit vergeudet, als wenn er sich ordnungsgemäß rechts eingeordnet hätte.
    Die Kollegen auf der rechten Spur, weil deren Verhalten den Stau keinesfalls früher auflöst
    und der arme Lothar ist der Leidtragende.

  2. Dumm nur, dass nicht nur ein Oleg mittig fährt, sondern fünfzig, hundert oder zweihundert. Das das Ego der rechts stehenden dann irgendwann überschäumt, dürfte nicht verwundern.

    1. Dafür gibt es in der StVO das Reißverschlußverfahren. Sicher, nach den Buchstaben der Verordnung mag man drüber streiten, ob sie auch gelte, wenn vorher Überholverbot war und/oder die Spur gar nicht endet, sondern nur zu schmal wird — aber ihr „Spirit“ sollte auch diesen Fall abdecken.
      „So, jetzt zeige ich es Dir aber!“ ist jedenfalls ein Gedanke, der im Straßenverkehr meist zu nix Gutem führt.

  3. Kurzfristig sollte einer der regelkonform fahrenden Kollegen halt doch mal Gnade vor (Ge)Recht(igkeit) ergehen und den Oleg einscheren lassen. Erst recht, wenn er ihn, wie es der Fall sein dürfte, wenn er auch mal um sich kuckt, den Oleg da schon viele Dekasekunden, wenn nicht Minuten da stehen sehen hat.
    Mittelfristig hätte ich nix dagegen, wenn die ohnehin zahlreichen Kameras mal nicht nur Geschwindigkeits- und Abstandsverstöße sowie Mautprellereien, sondern auch Verstöße gegen das Überhol- und Rechtsfahrgebot ahnden würden.
    Langfristig ist aber die Lösung natürlich, die Akkordentlohnung (denn nichts anderes ist Bezahlung pro km) europaweit effektiv genauso auszurotten, wie man das ja derzeit (richtigerweise!) mit dem Wochenende in der Kabine auf dem Parkplatz angegangen ist.

    Und noch langfristiger werden sich die autonomen Systeme ja dann ohnehin an die Vorschriften halten — und auch keine Racheblockaden gegen die verbliebenen menschlichen Fahrer errichten. (Daß das dazu führen wird, daß Menschen sich gegenüber autonomen Fahrzeugen noch rücksichtsloser verhalten als gegenüber anderen Menschen, steht auf einem anderen Blatt und wäre vielleicht dann auch mal einen Artikel wert.)

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