So schwer haben wir Lkw Fahrer es hier in Europa nun auch wieder nicht…

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16.05.2017

Vielerorts hört man über den Beruf des Lkw Fahrers Sätze wie:

„Puh, ich persönlich möchte kein Lkw Fahrer sein, das wäre mir viel zu anstrengend und viel zu stressig.“

oder

„Ihr Lkw Fahrer habt es ja echt nicht einfach, die vielen Kilometer, diese ganzen Staus, dieser Stress, dieser Termindruck und dieses Gegeneinander auf den Straßen. Ihr habt auch gar kein richtiges Sozialleben und dann die ganzen Kontrollen. Nein Danke.“

Da ist in gewisser Weise schon etwas dran, nur ganz so schlecht ist der Beruf des Lkw Fahrers nun auch wieder nicht. Jedenfalls meiner Meinung nach, bin ja schließlich selbst auch Lkw Fahrer. Dennoch, es gibt schlechte, es gibt aber auch gute Seiten an meinem Beruf, auch wenn es der eine oder andere Kollege anders betrachtet. Ich für meinen Teil genieße nach wie vor die Freiheit welche mir dieser Beruf bietet. Ich muss nicht nach Werksvorgaben zu festgelegten Zeiten irgendwelche Komponenten zusammen löten. Meinen Arbeitstag kann ich, zwar in einem vorgegebenen Rahmen, glücklicherweise noch ‚relativ frei‘ gestalten. Am Ende des Tages kommt es halt nur darauf an, dass das Ergebnis stimmt. Doch muss ich auch zugeben, dass mich einige Dinge ärgern oder es Dinge gibt welche mir mein Berufsleben unnötig schwer machen. Hier sei nur mal das unkollegiale Verhalten einiger meiner Kollegen genannt oder wie weiter oben im Text bereits erwähnt, Staus oder bisweilen auch so Dinge wie schlecht gelauntes Versandpersonal oder Kontrollen von Beamten in rausgelegten Uniformen ihrer Eltern.

Aber all das ist nichts im Vergleich zu den Kollegen aus Jaktutien (Russland´s fernem Osten). Diese Berufskollegen sind mit Ihren Lkw´s ebenso unterwegs wie wir hier in Europa, aber eben doch anders. Denn sie verrichten ihre Arbeit auf der wahrscheinlich härtesten Truckeroute der Welt. Auf der Kolyma-Trasse. Diese wurde einst (Stalin lässt grüßen) durch russische Strafgefangene erbaut, von denen unzählige Arbeiter ihr Leben ließen.

Die Kolyma-Trasse befindet sich im kältesten bewohnten Gebiet der Erde, in Jakutien. Dort können im Winter bis zu Minus 60 Grad erreicht werden. Der offizielle Temperaturrekord liegt übrigens bei Minus 68 Grad Celcius. Die Lkw Fahrer die hier unterwegs sind versorgen die Einwohner Jakutiens mit allem was sie zum Leben benötigen. Diese Kollegen sind mit unsereins schwer zu vergleichen. Das soll jetzt nicht heißen wir Lkw Fahrer hier in Europa würden einen schlechten Job machen, ganz im Gegenteil, nur haben wir hier eben nicht die Probleme zu bewältigen welche ein jaktutischer Lkw Fahrer auf der Kolyma-Trasse auf ca. 1500 Kilometer Länge (pro Strecke) auf zugefrorenen Flüssen, engen Bergpässen und eisglatten Pisten zu bewältigen hat, zudem noch weit ab jeder Zivilisation und bei Temperaturen die Kälte wie wir sie kennen, für die Einwohner Jakutiens als frühsommerlich erscheinen lassen.

Ebenso wie bei uns, geht auch hier die Gefahr mit auf Tour, wobei das Risiko in Jaktutien durch brechendes Eis oder Abstürzen von steilen und engen Bergpässen weitaus höher ist als bei uns. Auch reden wir hier von anderen Arbeitszeiten. So kann ein Arbeitstag schon mal aus 15 Stunden reiner Fahrzeit bestehen. Mehr als 4 Stunden Schlaf am Stück sind auch nicht drin, weil sonst die Motoren der Lkw´s einfrieren würden. Die Einwohner Jakutiens sind auf jeden Fall sehr dankbar, dass es Lkw Fahrer gibt welche ein hohes Risiko für ihr Wohlbefinden auf sich nehmen. In Deutschland hingegen ist das anders, denn hier haben wir eher die Mentalität, versorgen ja, aber bitte dabei nicht stören, Risiko hin oder her.

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