Stau

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04.03.2017

Einen Stau braucht ein Berufskraftfahrer genau so dringend wie eine Nagelbettentzündung. Nämlich nicht und auf einen Freitag Nachmittag schon mal gar nicht.

Nun, es ist wie es ist. 6 Kilometer Stau vor einer Baustelle. Es geht von drei Spuren auf 2 und im CB Funk wieder das übliche Gequatsche über die Dummheit der PKW Fahrer, welche angeblich zu blöd sind sich richtig einzuordnen. Was mich allerdings etwas wundert ist, dass sich kein Lkw auf der zweiten Spur befindet und versucht sich an den Kollegen, welche sich brav wie an einer Aldi Kasse auf der rechten Spur hintereinander angestellt haben, vorbei nach vorn zu ‚mogeln‘.

Egal, erstmal CB Funk aus, meine Nerven ertragen das einfach nicht. Schaue ich mir während der Stauzeit einfach mal die Leute in den Fahrzeugen neben mir an.

Da sehe ich ein Wohnmobil. Richtig schick das Teil. Vorn hinter dem Steuer er und daneben sie. Die Kinder sitzen schlafend hinten am Tisch und was ich persönlich absolut verantwortungslos finde ist die Tatsache, dass sie dabei nicht angeschnallt sind. Aber bin ich Morales und muss ich hier verbal eingreifen? Natürlich nicht, es sind ja nicht meine Kinder, aber wären sie es, dann wären es entweder nicht meine oder sie wären definitiv angeschnallt.

So weiter zum nächsten Fahrzeug. Ein sportlicher Sportwagen, auch mit ihm und ihr auf dem Fahrer- und Beifahrersitz. Durch das Glassonnendach kann ich den 3 Meter großen Chronographen am Handgelenk des Fahrers sehen. Ich stelle fest, entweder sein Wecker geht eine Minute vor und meine Uhr richtig oder andersherum.

Im Minicooper der gerade langsam an mir vorbei rollt, sitz ein Unteroffizier der Bundeswehr. In dem Zusammenhang frag ich mich, ob dem guten Mann eigentlich bewusst ist, dass er als Soldat im Fall des Falles gegen Menschen kämpfen und sie umbringen muss, gegen die er privat wahrscheinlich gar keinen Groll hegen würde. Wahrscheinlich wohl eher das nicht, denn wenn er solche Gedanken hätte, wäre er erstens kein Soldat oder er ist genau aus diesem Grund Soldat, weil er sich eben keine Gedanken darüber macht. Ich will mich da aber auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Ich kenne den guten Mann ja überhaupt nicht.

Oh was ist das? Ein Auto voller junger Männer die elektronische Tanzmusik auf Challanger Start Lautstärke hören. Alle wippen mit ihren Köpfen, als wollen sie dem Stau einen mentalen Stoß nach vorn versetzen, damit es endlich weiter geht.

Nun rollt etwas an mir vorbei, was meinem Gesicht ein leichtes Schmunzeln abverlangt. Das sieht schon erbarmungslos lustig aus, wenn sich eine 65 jährige Frau auf ein Alter von 23 Jahren herunter schminkt und mir mit diesem perforiertem Gesicht noch dazu ein Lächeln in meine Fahrerkabine sendet. Da ich ein freundlicher Mensch bin lächle ich ungeschminkt zurück.

Eine Pferdetransporter steht nun neben mir. Plötzlich kommt mir eine Frage in den Kopf geschossen. Warum heißt ein Pferd eigentlich Pferd? Ich glaube das muss daran liegen, dass ein Pferd auf der Erde läuft, denn wenn es fliegen könnte, dann würde es doch Pfluft heißen oder? Naja, irgendwer wird sich schon was dabei gedacht haben.

Ich schaue mir noch weitere Fahrzeuge samt Inhalt an und stelle plötzlich fest, dass ich mittlerweile die Baustelle erreicht habe. Bevor es gleich wieder richtig los geht, möchte ich gern noch sehen wie die Autofahrer auf der mittleren Spur es den Pkw Fahrern auf der dritten Spur unmöglich machen auf die mittlere Spur zu wechseln.

Dieses Gefühl von links Fahrzeuge vor einem einscheeren zu lassen ist für den deutschen Autofahrer einfach unerträglich. Du kannst mit dem deutschen Autofahrer alles machen, ihm 5 Euro für eine Tasse Kaffee an der Raststätte abknöpfen oder ihm 2 Euro für den Toillengang am Autohof aus der Tasche ziehen, aber eins darfst du nicht. Von einer anderen Spur kommend vor einer Baustelle direkt vor ihm einscheeren. Da wird gnadenlos zugemacht, gehupt und selbstverständlich der Andere abschließend gestikal noch für unzurechnungsfähig erklärt.

So, nun noch ca. 2 Kilometer durch die Baustelle und dann ab nach Hause. Es ist ja schließlich Freitag und somit Wochenende.

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