Dokumente im Fundbüro

Lesezeit 3 Minuten

25.01.2017

In meiner Funktion als Berufskraftfahrer habe ich täglich mit den unterschiedlichsten Kunden zu tun. Nicht nur, dass diese unterschiedlichen Kunden unterschiedliche Teile produzieren, nein, in den dazugehörigen Versandabteilungen arbeiten auch unterschiedliche Menschen. Manche von denen sind schlecht gelaunt und unfreundlich, andere dagegen freundlich und sehr umgänglich. Der Versandmitarbeiter mit dem ich es heute zu tun habe ist genau einer von dieser Sorte. Freundlich und eben sehr umgänglich. Ich unterhalte mich mit ihm über dies und das und dabei erzählt er mir von einem persönlichem Erlebnis, welches ich in seiner Art und Weise weder selbst bisher erlebt, noch dass ich irgendwo je davon gehört oder gelesen hätte.

Der gute Mann war am Neujahrstag mit seiner besseren Hälfte in Hamburg in einem Café. Während ihres dortigen Aufenthaltes wurde er von einem Trickdieb am Nachbartisch um seine Brieftasche erleichtert. Der Trick mit dem der Dieb sein kriminelles Zauberkunststück aufführte, hätte selbst David Copperfield vor Entzückung blond werden lassen. Der Dieb saß mit dem Rücken zur Frau des guten Mannes am Tisch gegenüber. Über der Stuhllehne der Frau hing ihre Jacke und darunter die ihres Mannes, auf der Stuhllehne des Diebes gegenüber hing eben die Jacke des Diebes. Der Dieb ist mit seinem Stuhl so weit nach hinten gerückt, dass er direkt Stuhl an Stuhl zu der Frau saß. Dann griff er in einem günstigen Moment nach hinten in seine eigene Jacke hinein. In dieser war für andere Gäste unsichtbar eine schmale Öffnung eingearbeitet und so war es ihm möglich ganz unauffällig durch seine eigene Jacke hindurch in die Jacke des guten Mannes zu greifen und die darin befindliche Brieftasche zu ihm in seine Richtung verschwinden zu lassen. In der Brieftasche befand sich Bargeld in Höhe von ca. 150 Euro und natürlich Ausweis, Führerschein, Kreditkarten und Dinge welche die nachweisliche Existenz in einer Zivilgesellschaft für die Behörden sonst noch so erforderlich machen. Ich frage ihn woher er weiß, dass er bestohlen wurde und vor allem auch woher er weiß, dass es genau auf diese Art und Weise geschehen ist.

„In diesem Café gab und gibt es versteckte Überwachungskameras“, antwortet er, „die haben da wohl des Öfteren mit Diebstahl zu kämpfen“, führt er weiter aus. Ok, das mit den Kameras ist natürlich nachvollziehbar, bei den qualitativ schlechten Videoaufnahmen hilft es für den Zurückerhalt der Dokumente und die Dingfestmachung des Diebes allerdings nicht wirklich weiter. Genau zu erkennen ist der Dieb auf den Aufnahmen nämlich nicht. Man sieht halt nur wie er es macht, aber nicht wer er ist bzw. wer er erkennungsdienstlich genau sein könnte.

Nun denn, der Ärger ist natürlich groß. Nicht unbedingt wegen des Verlustes von ca. 150 Euro in bar, das ist verschmerzbar, nur müssen jetzt alle Dokumente neu beantragt und nicht zu vergessen, natürlich auch wieder neu bezahlt werden. Und Apropos bezahlen und Dokumente. Er erzählt mir weiter, dass er von einem Fundbüro aus Hamburg in diesem Zusammenhang Post erhalten habe. Darin wird er aufgefordert eine Gebühr für seine in diesem Fundbüro abgegebenen Dokumente (welche er nicht verloren hatte, sondern die ihm gestohlen wurden!) zu bezahlen und er selbige schnellstmöglich bis zu einem festgelegten Termin abgeholt haben muss, da sich sonst die Gebühr für die Aufbewahrung seiner Dokumente wesentlich erhöhen würde.

Allein das finde ich ja schon recht amüsant, auch die extra Anreise für seine gestohlenen und nicht verloren gegangenen Dokumente aus 200 Kilometer Entfernung nach Hamburg haben einen gewissen komödiantischen Unterhaltungswert, aber der eindeutige Beweis für die Humorfähigkeit des Fundbüros aus Hamburg liegt in abschließender Forderung.

Zur Abholung ihrer Dokumente bringen Sie bitte Ihren Ausweis mit.

Herrlich, das ist eine absolute Punktlandung in mein neuronales Komikzentrum. Von daher vielen Dank und beste Grüße von hier nach Hamburg.

4 Gedanken zu “Dokumente im Fundbüro

  1. Das ist schon echt dreist vom Taschendieb. Aber das man jetzt auch noch im Fundbüro nur zu festgelegten Zeiten die Sachen abholen kann, ist mir auch neu.
    Ein interessanter Bericht. Vielen Dank dafür.
    Gruß

  2. Da es keine behördliche Ausweismitführpflicht für den Perso gibt, ist man beim Stehlen selbigens somit selbst Schuld und das wird dann finanziell von allen Seiten eingefordert.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.