Worte sagen mehr als tausend Fotos

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17.01.2017

Fotos haben ein großes Problem. Sie können zwar schöne Augenblicke einfangen, diese aber leider nur zweidimensional wiedergeben. Was sie definitiv nicht können ist, die Emotionen ausdrücken, die der Fotograf gefühlt hat, als er den Auslöser der Kamera gedrückt hat. Deswegen möchte ich mit diesem Artikel versuchen, hier einen für mich wunderschönen Moment in Sinn stiftend aneinander gereihten Buchstabenkombinationen wiederzugeben.

Es ist 7 Uhr 30 und ich bin fertig mit Leergut laden. Jetzt muss ich im Büro nur noch die Frachtpapiere abholen und dann kann die Tour auch schon beginnen. Es geht über eine Bundesstraße in Richtung Norden. Auf dem Weg zu meinem ersten Kunden begleitet mich von der rechten Seite die aufgehende Sonne. Hinzu kommt die Kälte. Mein Thermometer im Lkw zeigt mir eine Außentemperatur von Minus 7 Grad Celsius. Um so weiter höher ich in Richtung Norden komme, um so kälter wird es draußen. Die Kälte lässt die Kronen der am Straßenrand stehenden Bäume wie weiße Kristallkunstwerke erscheinen. Die schneebedeckten Dächer der Häuser welche sich sanft in den Horizont der weißen Landschaft einfügen, vervollständigen diesen Anblick von Harmonie in weiß.

Ich muss es ehrlich zugeben, diese Aussicht ist wunderschön und ich genieße sie.

Nach der nächsten lang gezogenen Linkskurve eröffnet sich mir ein Anblick, welchen ich sehr gern auf einem Foto festhalten und bei Instagram hochladen würde. Aber im Lkw fotografieren während der Fahrt wäre am Gesetzesgeber dann doch zu arg vorbei profiliert. Links und rechts neben mir flaches weißes Land. Vor mir erhebt sich der im Sonnenlicht gleißende Asphalt der Straße zu einer Überführung einer Eisenbahnstrecke. Ein ICE fährt gerade darunter hinweg und ich sehe wie die Stromabnehmer auf dem Dach des Zuges auf Grund des Eises an den gefrorenen Oberleitungen kleine Funken schlagen. Das rechts hinter der Brücke liegende Dorf lässt aus den Schornsteinen seiner in Kälte gehauchten Häuser grau-weißen Rauch aufsteigen. Erinnerungen an die letzte Versammlung der wahlberechtigten Kardinäle der römisch-katholischen Kirche zur Wahl des Bischofs von Rom werden bei mir wach.

Ich fahre mit meinem Lkw durch dieses Dorf hindurch, genieße diesen An- und Augenblick und sehe am Dorfausgang rechts am Straßenrand ein zugefrorenes Blitzgerät. Manchmal kann auch die Natur den notorischen Schnellfahrern in die Hände spielen. Wozu die Linse mit Farbe lackieren, wenn Väterchen Frost seine ganz eigenen Methoden hat?

Ich verlasse das Dorf und fahre weiter auf der Bundesstraße in Richtig Norden. Rechts und links entlang der Fahrbahn Wald so weit das Auge blicken kann. Ab und an blinzelt die Sonne durch ein paar Baumkronen hindurch, so als wolle sie sagen, sehe das Licht und du weißt wer Osram ist.

„Junge Junge, womit hast du das bloß verdient? Wie kann eingefrorene Kälte nur so schön sein? Genieße es so lange du kannst!“, sind meine einzigen Gedanken auf diesem Weg in Richtung Norden.

Und nun mal ganz im Ernst. Hätte das ein zweidimensionales Foto emotional alles wirklich so wiedergeben können?

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