Diese verfluchte Moral

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10.01.2017

So, noch schnell zum letzten Kunden 4 Behälter laden und dann war es das fast für heute. Nur leider habe ich die Rechnung ohne die Konkurrenz gemacht. Denn diese steht bereits mit einem leerem LKW und geöffneter Seitenplane auf der markierten Beladeposition. Eine Komplettladung bekommt der Kollege, 25 Tonnen bis hinten hin einmal komplett voll. Da ich weiß, dass hier nicht streng nach Vorschrift, sondern viel mehr der Reihenfolge nach gearbeitet wird, wird mir unmittelbar bewusst, Junge das dauert länger. Manchmal komme ich mir als Berufskraftfahrer vor wie damals zu Bundeswehrzeiten. Da habe ich auch viel Zeit mit Warten verbringen dürfen. Nun denn, es ist wie es ist und nicht zu ändern.

Etwas gelangweilt stelle ich mich an meine Zugmaschine und beobachte die Beladung des LKW’s vom Kollegen von der Konkurrenz. Der Kollege selbst sitzt die ganze Zeit versteckt hinter Gardinen mit Bömmelkes in seinem Fahrerhaus und daddelt an seinem Smartphone herum. Der Staplerfahrer bringt einen Behälter nach dem anderen, so lange bis die Hälfte des Aufliegers beladen ist. Nun fährt der Staplerfahrer zum Füherhaus des Kollegen und deutet fragend an, ob der Kollege eventuell die Plane zur Seite schieben könnte um den Rest auch noch verladen zu können. Der Kollege steigt aus, steckt vorn im ersten und zweiten Rungenbereich die Spannbretter hinein und zieht danach die Plane nach vorn. Danach verschwindet er wieder wortlos in seinem Fahrerhaus. Der Staplerfahrer beläd den LKW weiter, bis nur noch 2 freie Lademeter bis zum Ende des Aufliegers übrig bleiben. Bis hierhin hat er alle Behälter einfach (einlagig) verladen. Und was jetzt folgt ist fahrdynamisch eine absolute Vollkatastrophe. Dazu muss ich erwähnen, dass alle Behälter ungefähr das gleiche Gewicht haben. Also bis auf 2 übrig gebliebene Lademeter alles gut verteilt. Aber auf die letzten 2 Lademeter stellt der Staplerfahrer die Behälter allerdings doppelt (2 lagig) übereinander. Das bedeutet, der Kollege hat auf den letzten 2 Lademetern seines Aufliegers in der Gesamtladelastverteilung das meiste Gewicht.

Wer früher in der Schule in Physik aufgepasst hat, kann sich ja denken was während der Fahrt mit dem gesamten LKW passiert, wenn der Kollege verkehrstechnisch bedingt ein Ausweichmanöver machen muss. Dann wird nicht die Lenkung der Zugmaschine die Richtung vorgeben, sondern das falsch verteilte Ladungsgewicht der letzten 2 Meter des Aufliegers. Zudem muss die Frontwand vorn am Auflieger im Fall einer Vollbremsung volle 25 Tonnen Gewicht halten können. Das kann sie aber nicht. 40% der Nutzlast müssten wenigstens nach vorn gesichert sein. Auch die doppelt verladenen 2 Lademeter am Ende des Aufliegers hätten nach vorn gesichert sein müssen. Aber das interessiert weder den immer noch im Fahrerhaus rumdaddelnden Kollegen, noch den Staplerfahrer welcher gedankenlos unbeirrt so langsam seine Arbeit beendet.

Und dadurch komme ich in eine Zwickmühle, weil ich mich von der Moral gefi.. fühle. Ja das reimt sich, das ist aber auch nur das Eine. Das Andere ist nämlich die Tatsache, ob ich hier moral-verbal einschreiten soll oder nicht. Der Kollege kann doch nicht mit so einer katastrophal verladenen Ladung hier vom Hof fahren. Weder Antirutschmatten, noch irgend ein Gurt sichern diese Ladung. Von einem Spannbrett mal ganz zu schweigen. Im schlimmsten Fall kann es wegen fehlender Ladungssicherung hier sogar zu Toten kommen.

Nach beendeter Verladung steigt der Kollege aus und fängt an seinen Auflieger zu schließen. Ohne Helm und ohne Gurt, nichts. Plane zu Affe tot, fertig aus Mickey Mouse. Als er fertig ist kommt er auf mich zu mit folgenden Worten:

Was kuckst du? Hast du Problem?

Ich:

Naja, willst du echt so losfahren? Ohne Ladungssicherung und hinten mit dem falsch verteilten Ladungsgewicht?

Der Kollege:

Was bist du, Klugscheißer oda was?

Genau das meine ich ja. Jetzt bin ich verbalisch-moralisch nämlich doch eingeschritten. Dabei will ich doch überhaupt kein Klugscheißer sein. Ich wollte den Kollegen und seine Umwelt doch nur vor Schlimmerem bewahren. Diese verfluchte Moral. Das macht mich noch fertig.

Ein Gedanke zu “Diese verfluchte Moral

  1. Da bietet sich dann ein kurzer Anruf bei der Polizei an mit dem Kennzeichen, einer Fahrzeugbeschreibung und der Bitte um Kontrolle der Ladungssicherung. Und nein, da seh ich überhaupt kein moralisches Problem — das Auskehren mit dem eisernen Besen solcher schwarzen Schafe dient letztlich dem Image unserer Branche, und das kann jede Hilfe vertragen.

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