Ein Lkw Fahrer ist doch auch nur ein Mensch

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16.12.2016

Als Radfahrer hat man es im deutschen Straßenverkehr nicht leicht. Wie oft kommt es vor, dass man von Lkw Fahrern die zum Beispiel gerade von einer Tankstelle herunter fahren möchten, unabsichtlich übersehen wird? Oft würde ich sagen. Schon auch allein deswegen, weil es mir vor kurzem leider auch passiert ist. Aber eins vorweg. Dem Radfahrer ist Gott oder wem auch immer man dafür seinen Dank aussprechen soll, nichts passiert.

Es war vor wenigen Tagen früh morgens gegen 6 Uhr 20. Ich hatte gerade getankt und wollte danach von dem Gelände der Tankstelle nach rechts auf die 4 spurige Hauptstraße in Richtung Autobahn abbiegen. Kurz vor der Ausfahrt befand sich rechts ein Pkw. Das Fahrzeug war beleuchtet und es saß auch ein Fahrer hinter dem Lenkrad. Ich bin davon ausgegangen, dass sich das Auto auch in der Absicht befand auf die Hauptstraße abbiegen zu wollen. Wollte es aber nicht. Der Fahrer saß einfach nur hinter dem Steuer seines KFZ und wartete der Dinge die da noch kommen sollten. Da ich in meiner Funktion als Berufskraftfahrer aber nicht alle Zeit der Welt habe, musste ich mich ja irgendwann mal dazu entschließen loszufahren und zwar unabhängig von den Überlegungen des an der Seite der Ausfahrt stehenden Pkw Fahrers. Rechts blinkend fuhr ich langsam an die Hauptstraße heran. Vorher schaute ich noch nach rechts und links, nicht nur wegen des Verkehrs auf der Hauptstraße, sondern auch, ob von rechts oder von links eventuell noch ein Radfahrer kommen würde.

Meiner Meinung nach kam keiner und als ich mich langsam weiter in Richtung Hauptstraße bewegte, tauchte aus dem Dunkel von rechts plötzlich und mit einem Affenzahn ein Radfahrer auf. Als ich ihn sah erschrak ich etwas und legte sofort den Rückwärtsgang ein um den Radfahrer vor meinem Lkw noch vorbeifahren lassen zu können. Nur leider ging das nicht mehr, da sich hinter meinem Lkw bereits Fahrzeuge befanden welche in gleicher Absicht wie meine Wenigkeit in Richtung Hauptstraße abbiegen wollten.

Obwohl der Radfahrer bereits zum Stehen kam, setze er trotz starken Verkehrs auf der Hauptstraße zum Vorbeifahren an meiner Zugmaschine an und kam dabei beinahe in den entgegen kommenden Verkehr der Straße hinein. Er hatte es offensichtlich sehr eilig, aber nicht nur das. Er war auf Grund der gerade für ihn sehr ungünstigen Situation auch verdammt wütend. Ich vermute schon allein deswegen, weil er mir die Schuld an seinem eigenem gefährlichen Verhalten (also vor meinem Lkw in den Gegenverkehr fahren) gegeben hatte.

Ich will damit nicht sagen, dass mich an diesem Vorfall keine Schuld traf, nein im Gegenteil. Nur kann man sich ja auch mal die Frage stellen, ob das im Folgenden beschriebene Verhalten des Radfahrers wirklich notwendig war.

Denn nachdem es der Radfahrer an meiner Zugmaschine vorbei geschafft hatte, hielt er an und streckte mir wutentbrannt seinen Mittelfinger entgegen. Daraufhin öffnete ich die Fahrertür um ihm zu sagen, dass ich ihn leider erst viel zu spät gesehen hatte. Eigentlich wollte ich mich noch bei ihm entschuldigen, dazu kam es aber nicht mehr. Er rannte mit weit ausgebreiteten Oberarmen auf mich zu und holte alles an Beleidigungen hervor, was die deutsche Subkultur so zu bieten hat. Eine vernünftige Erklärung meinerseits für die gerade entstandene Situation war somit absolut unmöglich geworden. In seiner Wut schlug er mit Karacho meine Fahrertür zu und versuchte sich im Anschluss noch mein Kennzeichen zu merken. Ob es ihm gelungen ist, das sei an dieser Stelle mal dahingestellt.

Ich persönlich bin immer für ein Miteinander im Straßenverkehr. Meiner Meinung nach ist es nur so möglich gemeinsam voran zu kommen und Unfälle zu vermeiden. Das heißt aber nicht, dass Menschen, egal ob sie Auto, Lkw oder Fahrrad fahren, keine Fehler machen. Wir machen Fehler, ob wir wollen oder nicht. Man könnte jetzt noch zwischen absichtlichen Fehlern und unabsichtlichen Fehlern unterscheiden. Gut, das macht die Sache aber auch nicht besser. Die Frage ist doch, ob wir im Fall des Falles immer gleich mit Gewalt reagieren müssen. Ich weiß es nicht. Kommt wohl auf die Situation an. Nur manchmal sind die Dinge eben nicht zwingend so wie man denkt, dass sie es sind. Ich hatte jedenfalls nicht die Absicht den Radfahrer über den Haufen zu fahren. Den Radfahrer dagegen tangierte das nur peripher und offensichtlich muss er wohl davon ausgegangen sein, dass keine Gewalt in dieser Situation auch keine Lösung war.

 

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