Die Zukunft ist auch nicht mehr das was sie früher einmal war

Lesezeit 4 Minuten

20.09.2016

Im Rahmen einer Modulschulung sagte mir mal ein Dozent, dass der Beruf des Lkw Fahrers in Zukunft definitiv aussterben wird. Die Lkw´s werden dann von ganz allein (autonom) fahren und wir, also wir Lkw Fahrer werden uns dann auf jeden Fall einen neuen Job suchen müssen. Für jemanden wie mich, der seinen Job wirklich liebt, würden somit harte Zeiten auf mich zukommen.

Soll ich in Zukunft in einer stickigen, von geregelten Arbeits- und Pausenzeiten dominierten Fabrik mein berufliches Dasein fristen? Soll ich mich zur Beantwortung unzähliger Mail- oder Telefonanfragen in ein Büro setzen, dabei ganz traurig aus dem Fenster schauen und von der persönlichen Freiheit und Verantwortung träumen, welche ich jahrelang als Lkw Fahrer hatte?

Natürlich nicht, denn der Dozent war zwar super im Beibringen öklogischem Fahrens oder der Tatsache wie man Ladung richtig gegen Verlust und Schäden sichert, von der Zukunft des Lkwfahrens hatte er meiner Meinung nach aber eine völlig falsche Vorstellung.

Was auf den Lkw Fahrer der Zukunft zukommen wird hat Mercedes mit dem Future Truck 2025 bereits gezeigt. Es ist eben genau nicht so, dass der autonome Lkw den Fahrer gänzlich überflüssig macht. Nein, eher im Gegenteil. Es wird dann eine ganz neue Generation von Fahrern gefragt sein. Ein Profi, welcher nicht mehr ’nur‘ von hier nach da fahren muss, sondern der sich auch bestens mit PC und Software auskennt. Den richtigen Umgang mit der Software wird der zukünftige Lkw Fahrer schon allein deshalb können müssen, weil auch das Thema digitale Vernetzung im ganzheitlichen Logistikprozess eine immer größere Rolle spielen wird. Der Nutzfahrzeughersteller MAN hat dazu einen meiner Meinung nach sehr interessanten Artikel verfasst: Neue Konzepte zur digitalen Vernetzung der Transportwelt.

Und seien wir doch mal ehrlich. Lkw Fernfahrer die stundenlang auf der Autobahn unterwegs sind kommen doch zu nichts mehr, außer zwischendurch mal zum etwas essen oder zum auf die Toilette gehen, falls sie nicht gerade eine leere, große Apfelsaftplastikflasche dabei haben sollten ;).  Ansonsten verbringen sie doch die meiste Zeit damit vor dem Bett zu sitzen und aus dem Fenster auf die Straße zu schauen. Keine Zeit um etwa Emails zu beantworten oder gar den Parkplatz für die nächste Übernachtung buchen zu können. Der Papierkram kann auch nicht während der Fahrt erledigt werden. Das geht erst zum Feierabend, wenn der Lkw steht und der Lkw Fahrer sich nicht mehr auf den Verkehr konzentrieren muss.

Somit werden aber auch neue Aufgaben auf den Lkw Fahrer der Zukunft hinzu kommen. Aufgrund der zusätzlich zur Verfügung stehenden Zeit und der Fülle an Daten, welche im zukünftigen, digitalem, ganzheitlichem Transportprozess erhoben werden, wird der Lkw Fahrer der Zukunft somit mehr und mehr zum Organisator bzw. Manager seines eigenen Transportprozess. Ob das in Zukunft sogar soweit gehen kann, dass auch endlich mal die Disponenten abgeschafft werden können, das möchte ich an dieser Stelle einfach mal unkommentiert im Raum stehen lassen ;).

Welche Frage aber bisher immer noch nicht beantwortet wurde, ist die Frage nach der Leidenschaft des Fahrens an sich. Ich persönlich fahre sehr gern Lkw, das heißt, dass ich das Lenkrad während der Fahrt schon gern selbst in der Hand halte und ich auch gern mit meinen eigenen Füßen auf die Pedalen trete. Ich finde es aber auch gut während der Fahrt Zeit für andere Dinge zu haben. Und so wird es meiner Meinung nach in der Zukunft auch kommen. Man wird als Lkw Fahrer immer noch die Möglichkeit haben selbst das Steuer zu übernehmen, ähnlich einem ICE, welcher ja auch noch dringend einen Lokführer im Cockpit benötigt. Ganz ohne wird es wohl nie gehen und wenn doch, dann sollten wir mal ernsthaft darüber nachdenken, ob bei einer von Menschen geschaffenen künstlichen Intelligenz das Vorhandensein der Menschheit dann als solche überhaupt noch einen Sinn ergibt. Meiner Meinung nach sollte Technik den Menschen bei seinem Denken und Handeln unterstützen, aber niemals ersetzen.

Der autonome Lkw wird jedenfalls kommen, so oder so. Die Frage ist nur wie weit die Kollegen dann bereit sind sich den neuen Arbeitsbedingungen dementsprechend anzupassen. Der Weltmarkt für Lkw über 6 Tonnen wird sich auf jeden Fall freuen. Denn von zuletzt 150 Milliarden Euro wird der Umsatz bis zum Jahr 2025 um knapp die Hälfte auf bis zu 240 Milliarden Euro Umsatz wachsen. Der Gesamtgewinn der Branche steigt demnach im Betrachtungszeitraum von 9 Milliarden auf rund 15 Milliarden Euro (laut einer Studie von McKinsey namens „Delivering change“). Also von Herstellerseite Anreiz genug dem Projekt ‚Autonomer Lkw‘ die Priorität einzuräumen, welches es aus wirtschaftlicher Sicht auch dringend benötigt.

Einige Lkw Fahrer werden große Angst davor haben, dass ihnen in Zukunft die ‚Maschinen‘ die Arbeit wegnehmen werden. Ich dagegen denke: „Na Gott sei Dank“, denn schon allein aus dem Grund, weil ich dann endlich mal wieder richtig Zeit für meine Webseite haben werde ;)

Ein Gedanke zu “Die Zukunft ist auch nicht mehr das was sie früher einmal war

  1. Das sehe ich ganz ähnlich. Man kucke sich nur mal den Schienenverkehr an: hier ist autonomes Fahren schon seit Jahrzehnten technisch kein Problem mehr, tatsächlich stattfinden tut es aber nur vereinzelt im Nahverkehr. Und das, obwohl Bahnen (mit Ausnahme von Straßenbahnen) damit rechnen dürfen, keine Personen oder andere Hindernisse auf ihren Fahrbahnen anzutreffen.
    Autonomes Fahren auf öffentlichen Straßen wird ebenfalls bald technisch möglich sein — auch wenn da sehr viel mehr noch zu tun ist, als man bei den Schönwetterdemonstrationen der Hersteller heute glauben könnte. Spätestens bei Starkregen oder geschlossener Schneedecke ist es für Kollege Computer nämlich Essig mit dem optischen Navigieren. Deswegen arbeiten sie ja auch alle an extrem genauen GPS-/Kartenlösungen zur Unterstützung.
    Und wenn ich mir dann ansehe, was wir so Tag für Tag zu leisten haben — zentimetergenaues Durchfahren und Rangieren zwischen parkenden Fahrzeugen oder auf engen Firmenhöfen (warst Du schon mal bei Philippine in Lahnstein? :-), kreatives Einparken auf Rasthöfen und nicht zuletzt auch Be- und Entladen mit Ladungssicherung und in der korrekten Reihenfolge der anzufahrenden Kunden sind nur Beispiele –, dann wird mir um die Zukunft unseres Berufes alles andere als bang. Das sollen in Zukunft alles der Computer im Fahrerhaus und die Mitarbeiter an den Be- und Entladestellen machen? Solche Ideen können nur von Leuten kommen, die das Transportgeschäft nur vom Schreibtisch her kennen.
    Was nicht heißt, daß sie es nicht versuchen werden. Und vielleicht wird es in einigen sehr spezifischen Verkehren sogar auch funktionieren — ich denke da zum Beispiel an diese Nahverkehre zwischen den Logistikzentren und den Autowerken, bei denen Sattelauflieger mit Förderband-Boden eingesetzt werden: rückwärts an die Rampe, Ladung mit dem Band in die Halle schieben, nächste Rampe, Ladung mit dem Band aus der Halle ziehen, dann die paar Kilometer zur anderen Ladestelle, repeat. Da muß der Fahrer nicht viel tun außer zu fahren, und die Strecke ist vorgegeben und kann also auch technisch entsprechend ausgerüstet sein (Fahrbahnmarkierungen etc.). Das kann Kollege Computer bald sicher auch alleine.
    Aber Fernverkehr mit wechselnden Kunden, die allein schon zu finden mitunter kombinatorische Fähigkeiten braucht, bei denen die Mitarbeiter mitunter keine Ahnung von Ladungssicherung haben, deren Höfe mitunter Rangierprüfungen für Fortgeschrittene gleichen (nur daß jeder „Absperrpylon“ gleich Tausende kostet, wenn man ihn andotzt)? Nein, tut mir leid. Bei allem Glauben an den technischen Fortschritt: das seh ich nicht. Zumindest nicht in meinem verbleibenden Berufsleben.
    Ich rechne allerdings fest damit, irgendwann einmal über ratlos im Weg stehende, warnblinkende autonome Fahrzeuge zu bloggen, die nicht mehr weiterwissen und auf den Techniker warten, der hinter ihnen im von ihnen verursachten Stau steht, auf daß er sie aus der mißlichen Lage herauslenke. :-D

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