Wahlfeiertag

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09.09.2016

Egal in welcher Stadt ich mich mit meinem Lkw in Niedersachsen zur Zeit gerade befinde, hinter jeder Häuserecke, an jeder Straßenkreuzung, aus der Mitte eines jeden Kreisverkehrs schauen mich ein oder mehrere bettelnde Gesichter an, welche mir visuell immer die gleiche Frage stellen wollen:

Hast du mal eine (also meine) Stimme für uns?

Sind dann mal keine Personen auf diesen Belästigungspappwänden zu sehen, so werde ich als unbescholtener Berufskraftfahrer mit folgenden sinnbefreiten Formulierungen wie diesen hier belästigt:

Grün ist die Liebe.

Souverän und krisenfest.

Weniger versprechen, mehr halten.

Riskieren wir, dass unsere Kinder schlauer sind als wir?

Also, da hätte ich doch auch schreiben können:

Keine Nachtwanderungen vor 14 Uhr 

sowie 

Streusalz für alle 

oder nicht?

So gesehen komme ich als Lkw Fahrer gar nicht umhin, ungewollt während meiner täglichen Nahverkehrstouren über das Thema „Wahlen“ und ob diese einen wirklichen Sinn für das Volk ergeben, nachzudenken.

Beginnen möchte ich meine Gedankengänge mit dem immer lauter werdenden Ruf nach Volksentscheiden in unserem schönen Land. Also nicht dem Ruf nach einer repräsentativen, nein, sondern eher dem Ruf nach der direkten Form der Demokratie. Soll heißen, dass das Volk zu jeder Zeit am politischen Entscheidungsprozess gern beteiligt werden möchte. Das setzt jedoch eine gewisse Bereitschaft des einzelnen Bürgers zur intensiven Auseinandersetzung mit politischen Themen voraus.

Und genau hier fängt der Hamster an zu humpeln.

Die politische Elite ist nämlich der Meinung, dass die direkte Demokratie überhaupt nicht gut ist für das Volk. Denn es kann mit der direkten Demokratie überhaupt nicht umgehen. Es ist schlicht nicht im Stande und willig sich intensiv mit all den Themen tagtäglich auseinander zu setzen, geschweige denn sie in ihrer Gänze zu verstehen. Und wenn ich so darüber nachdenke, dann haben die politischen Eliten in diesem Land meiner Meinung nach gar nicht mal sooo Unrecht.

Man erkennt es schon allein daran, welchen hohen Stimmenanteil die AfD bei der letzten Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern erzielte. Wie viele von denen die dieser Partei ihre Stimme gaben, haben sich vorher auch intensiv mit dem Wahlprogramm selbiger beschäftigt und auseinander gesetzt? Ich weiß es nicht, aber laut dem Stimmenanteil bei der Landtagswahl können es nicht all zu viele gewesen sein. Ich will damit nicht sagen, dass alle die diese Partei gewählt haben doof sind, nein das nicht. Ich sehe eher die Wahlentscheidung als solche als doof an.

Nun sind in wenigen Tagen auch bei uns in Niedersachsen Kommunalwahlen angesetzt.

Ich frage mich aber wozu eigentlich noch?

Wenn die politische Elite doch davon ausgeht, dass Volksentscheide auf Grund des mangelnden Verständnisses oder Interesses des Volkes für politische Entscheidungen keinen Sinn machen oder sogar sehr gefährlich für das Allgemeinwohl sein können, dann muss doch wohl auch davon ausgegangen werden,…

(Achtung Schachtelsatz)

… dass das allgemeine Volk somit ja auch keine Ahnung von den Parteien und deren Ziele haben kann. Ergo, warum soll das Volk dann noch wählen dürfen, wenn es doch auch dafür nicht intelligent genug ist? Wo bleibt da der Sinn?

Zusammenfassend möchte ich hiermit einfach zum Ausdruck bringen das Schauspiel der angeblich demokratischen Wahlen endlich zu beenden und dafür lieber einen zusätzlichen Feiertag in ganz Deutschland einzuführen. Einen Wahlfeiertag sozusagen. Für diesen Tag muss sich der allgemeine Bevölkerungsteilnehmer auch nicht speziell vorbereiten oder ausgiebig informieren, sondern er kann den Tag in freier Selbstentscheidung genau so gestalten, wie er oder sie es am Besten für sich hält. 

Und was das Schönste daran ist? 

Dieser Wahlfeiertag findet nicht nur aller 4 oder 5 Jahre statt, sondern jedes Jahr. Demokratischer geht es doch schon gar nicht mehr.

Also wenn das keine gute Wahl ist…? ;)

2 Gedanken zu “Wahlfeiertag

  1. Parlamentarische Demokratie taugt nix, das stimmt schon. Leider taugen alle Alternativen noch viel weniger. (Sagte ein kluger Mann, dessen Namen ich vergessen habe.)

    Aber einen knapp zweistelligen Prozentsatz Schnullernazis (man multipliziere Stimmenanteil mit Wahlbeteiligung!) hält die unsere schon noch aus, denke ich. Egal ob das jetzt konkret Rassisten, Protestwähler oder Denen-da-oben-mal-nen-Denkzettel-Verpasser sind.

  2. „Riskieren wir, dass unsere Kinder schlauer sind als wir?“ … nicht mal ansatzweise, bei dem, was hier in den Schulen (besonders den so hochgelobten IGSen) so ab geht.

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