Urlaub in Polen

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14.07.2016

urlaub in polen

Wir Menschen (meine Wenigkeit mit eingeschlossen) sind geprägt von Vorurteilen. Das rührt zum Einen daher, dass wir vieles nur vom „Hören-Sagen“ her kennen oder wir schlicht und ergreifend nichts mit der Sache oder Gegebenheit direkt zu tun haben.

Ich persönlich merke das immer wieder, wenn ich zum Beispiel mit meinem Lkw unterwegs bin. Was ich da auf dem CB Funk oder in gemeinsamen Gesprächen von meinen deutschen Kollegen an verbalen Entgleisungen gegenüber den polnischen Kollegen zum Beispiel zu hören bekomme, das ist schon nicht mehr feierlich. Hinzu kommt, dass ich in meiner täglichen Arbeit als Berufskraftfahrer auch selbst des Öfteren mal von dem Verhalten polnischer Kollegen hin und wieder überrascht werde. Dazu zähle ich nicht nur negative Erlebnisse, wie riskante Überholmanöver auf Landstraßen oder nicht eingehaltene Sicherheitsabstände auf Autobahnen, sondern auch positive Dinge, wie die große Dankbarkeit bei Hilfe oder eine mich ziemlich beeindruckende Gastfreundlichkeit. Auch sei der Zusammenhalt der polnischen Kollegen hier als positiv erwähnt.

Nun, da ich mich dieses Jahr auf persönliche Empfehlung aus dem Bekanntenkreis und trotz gewisser persönlicher Bedenken meinerseits dennoch dazu entschlossen habe meinen Sommerurlaub in Polen, speziell in den Masuren zu verbringen, möchte ich die Gelegenheit nicht nur zur dringend benötigten Erholung nutzen, sondern auch dafür, das Land, die Leute, deren Kultur und ihre Mentalität näher kennen zu lernen.

Polen ist definitiv anders als ich dachte.

Das fängt schon mal allein damit an, dass ich hinter Frankfurt Oder nach dem Grenzübergang eine Autobahn befahren durfte, welche mich durch ihren makellosen Zustand und durch die unmissverständliche Verkehrsführung beeindruckte. Nun könnte man das Argument anbringen und sagen, dass Polen ja kein Transitland wie Deutschland ist und die dementsprechende Belastung durch den Verkehr deswegen weitaus geringer ist. Ich würde sagen ja und nein. Denn ein Transitland ist Polen insofern schon, weil es nordöstlich, östlich und südlich von Polen ja auch noch weitere Länder gibt, welche mit dem Westen per Transport auf der Straße Waren austauschen. In der Summe ist dieser Transitverkehr gefühlt aber dennoch etwas geringer als in Deutschland. Hinzu kommt, dass Lkw’s auf Landstraßen genauso schnell fahren dürfen wie auf Autobahnen. Somit wird der Schwerlastverkehr besser auf das gesamte Straßennetz verteilt. Auch die zu zahlende Maut für die Autobahn sei hier erwähnt. Was in diesem Zusammenhang auch nicht zu kurz kommen sollte sind die zahlreichen Baustellen, welche in Rekordzeit zu neuen, gut ausgebauten Schnellstraßen führen und, ganz wichtig, durch gut geplante Verkehrsumleitungen weniger Stau als in Deutschland verursachen.

Was das Verhalten im Straßenverkehr angeht, so bin ich zu der überraschenden Einsicht gekommen, dass wir Deutsche von den Polen hier durchaus noch etwas lernen können.

Auf normalen Bundesstraßen ist in Polen maximal 90 km/h erlaubt und in geschlossenen Ortschaften 40 km/h. Wie in Deutschland auch fährt der größte Teil der Autofahrer ca. 10 km/h schneller als erlaubt. Was aber auffällt ist die Tatsache, dass ein Fahrzeug welches etwas langsamer fährt, bei der Möglichkeit zum Überholen seinem Hintermann dieses durch kurzes rechtsseitiges Blinken signalisiert. Auch sei an dieser Stelle nicht unerwähnt, dass in Polen die Überholmanöver auf mich dennoch sehr riskant wirkten. Wer ein PS starkes Fahrzeug sein eigen nennt, fährt diese Leistung nicht nur spazieren, sondern nutzt diese (gerade bei Gegenverkehr) auch gnadenlos aus.

Geschwindigkeitsbeschränkung für LKW’s auf deutschen Bundesstraßen aufheben.

Einen klaren Vorteil sehe ich in der erlaubten Geschwindigkeit von 80 km/h für Lkw’s auf Bundes- und Landstraßen. Feststellend muss ich sagen, der Verkehr fließt dadurch besser als in Deutschland. Auch habe ich den Eindruck, dass Lkw’s in Polen von den PKW Fahrern besser in den Verkehr integriert werden. Das mag aber durchaus daran liegen, dass Lkw’s fast die gleiche Geschwindigkeit wie PKW’s auf Bundes- und Landstraßen fahren dürfen. Das ist jedenfalls mein persönlicher Eindruck.

Wie ich anfangs des Artikels bereits erwähnte, verlebe ich meinen Sommerurlaub zwar in Polen, aber nur in einem Teil dieses Landes. Ich gebe zu, es ist ein sehr schöner Teil bzw. ein schönes Stück Land. Die Natur ist beeindruckend. Es gibt hier Wald ohne Ende und die Anzahl und Lage der Seen mitten in der Natur ist einfach nur faszinierend. Nicht umsonst nennt man die Masuren das ‚Land der tausend Seen‘. Von daher gilt das was ich hier schreibe nur für diesen Teil des Landes. Ich habe mir nämlich auch sagen lassen, dass es weiter südlich von Polen nicht so schön sein soll.

Aber bleiben wir in den Masuren.

Zu meinen Vorhaben in den Masuren zählten unter anderem lange Spaziergänge, welche ich mit meiner Freundin um den einen oder anderen See gern direkt unternommen hätte. Leider oder Gott sei Dank, das kommt auf die Betrachtungsweise an, war das so in der Form nicht möglich. Von den Behörden wird nämlich streng darauf geachtet, dass rund um die meisten Seen die Natur so gut es nur geht, erhalten bleibt. Es gibt zwar viele Wanderwege, die meisten davon befinden sich allerdings eher nicht in direkter Nähe zu einem See. Das soll aber nicht heißen, dass man in den Masuren nicht auch gut wandern kann.

Was das hiesige Essen betrifft so möchte ich erwähnen, dass es mir zwar schmeckt, mir die deutsche bürgerliche Küche aber näher am Magen liegt.

Ein Schweineschnitzel kann hier schon mal etwas größer ausfallen. Leider wird es meiner Meinung nach zu oft von zu wenig Beilagen begleitet. Und Soßen sind hier so beliebt wie Ziegelsteine in einer Sanduhr. Wie gesagt es schmeckt zwar, aber irgendwie hat man den Eindruck es fehlt immer etwas. Das polnische Bier hingegen ist absolut lecker und sehr süffig.

Preislich liegt ein gutes Essen bei ca. 18 – 24 Słotty (ausgesprochen Zwotti). Bei einem Umrechnungskurs von ca. 1 zu 4 (1 Euro = 4 Słotti) kann man sich ausrechnen wie günstig das hiesige Essen ist.

Eigentlich ist dieser Teil Polens bis auf die Sprache und ein paar Kleinigkeiten garnicht mal sooo viel anders als Deutschland. Die Menschen sind Fremden gegenüber etwas freundlicher, Nahrungsmittel, Bekleidung etc. sind preislich etwas günstiger und Geschäfte oder Supermärkte sehen hier auch nicht viel anders aus als in Deutschland. Der weit verbreitete Nationalstolz hingegen wird hier grundsätzlich nicht als negativ bewertet. Im Gegenteil, die Polen sind sehr stolz auf ihr Land und zeigen das auch, weil sie wissen, dass das durch Eigenleistung erwirtschaftete Geld auch wieder in dieses Land investiert wird. Dieser Nationalstolz zeigt aber auch eine Seite auf, den man durchaus mit gemischten Gefühlen betrachten kann. Polen lehnen es strikt ab moslemische Flüchtlinge aus Krisengebieten aufzunehmen. Angeblich, weil sie Auseinandersetzungen wegen der unterschiedlichen Glaubensrichtungen befürchten. Ich möchte das an dieser Stelle nicht bewerten, ich wollte es nur kurz erwähnen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass Polen, bzw. die Masuren ein sehr schönes Stück Land sind. Auch die Menschen mit ihrer Gastfreundlichkeit beeindrucken mich sehr. Die Preise sind günstig, die Bundesstraßen sehr gut befahrbar und das Essen im großen und ganzen auch sehr lecker. Was mir allerdings weniger gut gefällt, ist der an manchen Stellen arglos weg geworfene Müll und die teils doch sehr gefährlichen Schlaglöcher auf so mancher Nebenstraße. Trotz dessen werde ich auf jeden Fall mit positiven Eindrücken wieder nach Hause fahren.

Ob ich allerdings beim nächsten gefährlichen Überholmanöver eines polnischen Kollegen auf der A2 diesen positiven Eindruck weiterhin aufrecht erhalten kann? Wir werden seh’n ;)

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