Systemfrage

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07.06.2016

In einer konsumorientierten Gesellschaft wie der unseren, ist es von immenser Wichtigkeit dem Bevölkerungsteilnehmer das zu kaufende Produkt per Werbung so schmackhaft und empathisch wie möglich, an sein gierig-warmes Herz zu legen. Dies geschieht zum Beispiel via TV Geräten, welche mit einer Vielzahl von Fernsehkanälen versuchen potentielle Kunden auf das unbedingte Habenwollen neuester Konsumgüter vorzubereiten.

Wer in einer konsumorientierten Gesellschaft der allseits penetrant-präsenten Werbung allerdings auszuweichen versucht, hat nur eine Chance dadurch, in dem er des öfteren mal zur Magen- oder Darmspiegelung geht und währenddessen diametral ab und zu mal auf den Bildschirm schaut (wenn möglich).

Aber zurück zum Thema.

Was mich beim TV Werbung schauen nervt ist, dass mir diese Werbung viel zu oft von Film-, Sendungs-, Nachrichten- oder Serienblöcken unterbrochen wird. Dieser hiermit einhergehende Zwang zum Zapping steigert zwar mein Reaktionsvermögen, allerdings wird für mich der Werbeinformationsfluss dadurch so stark aus dem Zusammenhang gerissen, dass ich gar nicht mehr weiß welches Konsumprodukt nun das beste für mich sein soll. Der konsumorientierten Gesellschaft ist das aber völlig egal. Hauptsache es wird gekauft. Das System muss schließlich am Laufen gehalten werden.

Wenn gekauft wird, dann kann ich Lkw fahren. Wenn ich Lkw fahren kann, dann verdiene ich Geld. Wenn ich Geld verdiene, dann kann ich kaufen … zum Beispiel etwas Schönes für meinen Lkw.

Nicht schlecht oder? Klingt nach einem perfekten System. Aber ist es wirklich so perfekt? Gibt es vielleicht Gründe unser schönes Konsumsystem in Frage zu stellen?

Ich denke ja. Deswegen möchte ich in diesem Zusammenhang gern auf  ein Youtube Video verweisen.

Dr. Eugen Drewermann (Theologe, Seelsorger und Humanist), einer der weisesten Menschen unserer Zeit, der am 11.04.2016 einen wahrlich interessanten und vor allem sehr beeindruckenden Vortrag in der Berliner Urania zu dem Thema hielt, einfach aus dem Stehgreif heraus, ohne Skript, ohne Notizen und mit einer eindeutigen Botschaft:

Der Mensch ist keine Ware. Der Mensch hat eine Würde. Wer diese Würde bestreitet, um den Menschen bis ins letzte Detail vermarkten zu können, bringt am Ende die Menschheit in ihrer Ganzheit um.

Er beantwortet in seinem Vortrag auf kurzweilige Weise eine einfache Frage:

Was muss geschehen, damit eine im Konsumrausch dahinvegetierende Gesellschaft erwacht und wieder zu sich kommt?

Video:
http://www.youtube.com/watch?v=10w_uFNCImE

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