Der Gang

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06.06.2016

Der Gang in den ich mich gleich begeben muss, ist schmal, relativ dunkel und ungefähr so lang wie der Auflieger meines Lkw`s. Deswegen macht dieser Gang auf mich auch keinen besonders guten Eindruck. Aber ich muss in diesen Gang, denn am Ende dieses schmalen Ganges befindet sich ein sogenannter Abfertigungsschalter. Hier erhalten Lkw Fahrer ihre Frachtpapiere und bekommen Anweisungen an welches Ent- bzw. Beladetor sie zu fahren haben.

In dem schmalen Gang befindet sich neben meiner Wenigkeit, vor mir auch noch ein weiterer Fahrer, welcher auch gern abgefertigt werden will.

Beim Betritt dieses Ganges muss ich unter Schmerzen in meiner Lunge, einem aggressiven Kratzen in meinem Hals und einer gleichzeitig einhergehenden Sehstörung feststellen, dass Sauerstoff Moleküle plötzlich anfangen in Massen fluchtartig diesen schmalen Gang zu verlassen.

Von daher ist es an der Zeit den vor mir wartenden, aus der Slowakei stammenden und seit wahrscheinlich längerer Zeit unter keiner Dusche mehr gestandenem Kollegen höflich, aber unmissverständlich darauf hinzuweisen, dass sich das Atmen auf Grund seiner persönlichen Anwesenheit hier für mich anfühlt, wie der Versuch Unterwasser eine Zigarre rauchen zu müssen.

Es ist schlicht nicht möglich. Aber wie erkläre ich das dem aus jeder Pore ausdünstenden slowakischen Kollegen bloß?

Ich:

Du Kollege, naja wie soll ich sagen? Aber du, also hm, du riechst etwas streng.

Dabei deute ich mit den Fingern meiner rechten Hand auf meine Nase und verdrehe gleichzeitig meine Augen dabei in entgegengesetzter Richtung.

Der slowakische Kollege:

Nix verstehen.

Ja ok, nix verstehen, aber einen Körpergeruch den selbst faule Eier nach 30 tägiger Einlagerung in einem Tropensilo bei 45 Grad Außentemperatur nicht nachahmen könnten, verbreitet er trotzdem.

So wie der Kollege hier herum oxidiert, frage ich mich ernsthaft, ob das von mir verwendete internationale Zeichen (Finger halten Nase zu) für eine als unangenehm empfundene olfaktorische Wahrnehmung mit meist abstoßender Wirkung, welche bis zum Ekel führen kann, in der Slowakei vielleicht eine andere Bedeutung haben könnte oder dem Kollegen dieses Zeichen einfach nicht geläufig ist.

Ich habe durchaus Verständnis, dass es in unserem Beruf (gerade im Fernverkehr) nicht einfach ist täglich zu duschen. Es ist aber auch nicht so, dass es kein Wasser und kein Duschgel, sowie passende Aufbewahrungsbehälter für selbiges auf dieser Welt geben würde. Von daher hält sich mein Verständnis für sein „Nix verstehen“ doch relativ in Grenzen.

Ich:

Ja du nix verstehen, du aber auch nix gut duften. Hast du denn kein Wasser an Bord oder Seife vielleicht? Wann hast du denn das letzte mal geduscht? Riechst du das denn selber nicht?

Fragen über Fragen und der Kollege versteht nur Bahnhof. Ich stelle fest. Ich bekomme keine Antworten auf meine Fragen, habe dolle Schmerzen im Gesicht und will im Endeffekt auch nur noch raus hier. Komme ich halt später wieder, wenn sich die Sauerstoff Moleküle nach Abfahrt des slowakischen Kollegen wohin auch immer, entschlossen haben in diesen schmalen Gang zurück zu kehren um diesen wieder mit einer meiner Lebensgrundlagen zu befüllen.

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