Die 3

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21.05.2016

Eine Ladung für eine Teststrecke irgendwo in Niedersachsen steht auf dem Auftrag. Keine Angabe über was es sich genau handeln soll, welches Material bzw. ob es sich in Kisten, Kartons, Gestellen oder auf Paletten befindet. Nichts. Einfach eine Ladung, sowie die Be- und Entlade Adresse.

Na dann, ich bin gespannt.

Ja, was sehen meine müden Augen da? 3 Personen und jede Menge Reifen. Große Reifen, kleine Reifen, Reifen mit Felgen und Reifen welche ihren Asphalthorizont schon lange überschritten haben. Das ist mir im Endeffekt aber egal, denn ich transportiere (fast) alles, außer Gefahrgut und illegale Einwanderer.

Ich:

Moin. Ich möchte gern für eine Teststrecke in … laden.

Die 3:

Hallo, ja da bist du hier richtig. Hast du Gurte und Antirutschmatten dabei?

Ich:

Ich bin Lkw Fahrer, wäre schlecht wenn nicht.

Ok, dann wäre das ja schon mal geklärt, aber das mit der Ladung noch nicht. Die Reifen wurden zwar in Gestelle gelegt, gestellt, gepackt, na sagen wir mal so, sie befanden sich irgendwie in Gestellen. Lose, ohne Struktur und ohne, das ist nämlich das Allerwichtigste wenn Ware einer kinetischen Energie mittels Transport ausgesetzt wird, ohne einer gewissen Sicherung. Ladungssicherung sagt man unter Profis auch dazu.

Ich:

Ähm, ja, also so kann ich das aber nicht transportieren. Bei einer Vollbremsung rutschen mir die obersten Reifen aus den jeweiligen Gestellen und machen dann was sie wollen. Im schlimmsten Fall fallen sie mir in die Plane und den Rest könnt ihr euch ja bestimmt denken.

Nein, das konnten sie nicht, dachte ich jedenfalls. 6 Augenpaare synchron, starr und ungläubig ausgerichtet auf mich, die mir eindeutig und unmissverständlich klar machen wollten:

Oha, der Morgen ist für uns heute anders als üblich.

Ja, diese Blicke kenne ich und ich weiß auch was jetzt folgt. „Was will er denn jetzt, das haben wir doch schon immer so gemacht. Da hat sich noch kein Fahrer drüber beschwert.“ Aber nein, zu meiner Überraschung verlief das Zusammentreffen dieses mal anders.

Einer der 3:

Ja, wenn du das sagst. Ist ja schon erstaunlich, dass du überhaupt deutsch sprichst und du bist auch der erste Fahrer der das anspricht. Wir haben uns auch schon oft gedacht, was ist wenn der Fahrer mal eine Vollbremsung machen muss. Hält das überhaupt?

Ich bin platt, aber selbstverständlich auch froh, weil ich weiß, dass hier noch nicht Hopfen und Malz verloren ist. Die 3 machen auf mich jetzt nämlich den Eindruck, als wenn sie tatsächlich bereit sind, sich für das Thema Ladungssicherung ernsthaft zu interessieren und diese in Zusammenarbeit mit meiner Wenigkeit auch in die Tat umsetzen zu wollen.

Nun packe ich nicht nur meine Spanngurte und Antirutschmatten, sondern auch all mein Wissen über Ladungssicherung heraus. Zurrmittel, Reibbeiwert, Fliehkraft, Formschluss, Verantwortlichkeiten des Verladers usw. und so weiter.

Nun sind wir zu dritt fleißig dabei alles dementsprechend zu sichern und zu verladen. Zu dritt deswegen, weil eigentlich müssten wir 4 sein (3+1), aber ein Kollege der 3 verschwindet plötzlich spurlos und erscheint erst dann wieder, als wir mit der Verladung so gut wie fast fertig sind.

Der jetzt wieder Zurückgekehrte der 3:

Hier, ich hab dir vom Bäcker Kaffee und belegte Brötchen mitgebracht. Geht auf Kosten des Hauses und danke nochmal, dass du meine Leute in Sachen Ladungssicherung geschult hast.

Keine Ahnung wie er darauf gekommen ist, denn er war ja die meiste Zeit gar nicht da, aber warum soll ich mich gegen Kaffee und belegte Brötchen wehren? Schließlich bekomme ich das Frühstücksbuffet ja auch noch kostenlos.

Im Gegensatz zu mir gibt es allerdings auch Leute, die machen Ladungssicherungsschulungen hauptberuflich und verdienen damit richtig Geld. Ich wie gesagt nicht, ich mach das eher nebenbei, kostenlos oder manchmal wie in diesem Fall, für Kaffee und belegte Brötchen, sehr oft aber auch leider immer noch umsonst.

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