Passierschein A38

Lesezeit 4 Minuten

27.06.2013

Es ist 15:03 Uhr, ich stehe auf dem Betriebshof und werde gleich erfahren wie mein Arbeitstag zu Ende geht, bzw. was sich ausgedacht wurde, wie er zu Ende gehen soll: „Einmal bitte noch schnell mit 15 Paletten zu einem Großkunden. Ist auch nur eine Abladestelle, das geht schnell. Danach machst du Feierabend und morgen früh geht es dann weiter.“ Diese Worte des Disponenten klingen so gut und wohlwollend, dass ich hoffe, dass sich der Großkonzern bei dem ich die Ware gleich abladen muss, auch daran hält und ich heute pünktlich Feierabend haben werde.

Also, auf geht´s und im Wareneingangsbüro des Großkunden angemeldet.

Mitarbeiter Wareneingang:

„Was sind denn das für Paletten? Weißt du für wen die sind?

Ich:

„Das wirst du mir jetzt nicht glauben, aber die sind für euch. Steht aber auch auf den Papieren!“

Mitarbeiter Wareneingang (jetzt leicht gereizt):

„Ich kann lesen, ich meinte in welche Halle das geht!“

Ich:

„Steht auch auf den Papieren, schau mal hier, Ladestraße, Halle 5,  Abteilung 1b.“

Mitarbeiter Wareneingang (jetzt etwas mehr gereizt):

„Willst du mich belehren oder was? Ja, das steht da zwar drauf, aber die Ware kommt eigentlich zur Halle 7, Abteilung 4, Platz C.“

Ich:

„Belehren? Nein, ich will nur abladen und danach Feierabend machen. Ich hab auch nichts dagegen wenn’s unkompliziert und schnell geht.“

Mitarbeiter Wareneingang (sauer):

Was du alles willst, ich sage dir wann du Feierabend hast und jetzt fährst du zur Halle 7 und meldest dich in der Abteilung 4 zum Entladen, verstanden!?“

Ich:

„Akustisch auf jeden Fall, vom Sinn her nicht.“

Mitarbeiter Wareneingang (richtig sauer):

„Das musst du auch nicht, fahr einfach da hin und fertig!“

Ok, da ich einfach nur meine 15 Paletten los werden will um endlich Feierabend machen zu können, düse ich wortlos ab in Richtung Halle 7 zur Abteilung 4. Hier angekommen reiche ich meine vom Wareneingang erfassten Papiere in die Luke für Versandpapiere. Dann warte ich im Lkw bis sich jemand aus der Halle 7 bei mir meldet. Nach ca. 20 Minuten klopft es an meiner Fahrertür:

„Was willst du hier? Du bist hier falsch, das geht in die Halle 3 Nordseite.“

Ich:

Wie bitte, wo geht das hin? Wieso jetzt Halle 3? Laut Papiere geht das doch zur Ladestraße, Halle 5, Abteilung 1b.“

Der Kollege von Halle 7:

„Wenn du weißt wo das Zeug hin kommt, was willst du dann hier?“

Ich:

„Entladen. Also, ich meine…. der Typ vom Wareneingang hat mich hierher geschickt.“

Der Kollege von Halle 7:

„Das kommt aber definitiv nicht hier her. Wieso hast du dem Depp nicht gesagt wo das Material hinkommt? Selbst Schuld.“

Ich:

„Ja also weißt du, das hab ich, aber der meinte, dass ich mich hier zur Entladung melden soll.“

Der Kollege von Halle 7:

„Wie gesagt, das Material kommt zur Halle 3.“

Ich:

„Ist das jetzt geraten oder weißt du das definitiv? Wieso nicht Ladestraße, Halle 5, Abteilung 1b? Steht doch auch so auf den Papieren.“

Der Kollege von Halle 7:

„Was auf den Papieren steht muss ja nicht immer stimmen, richtig? Ich weiß nur dass das da hin kommt. Hier deine Papiere und schönen Feierabend wenn´s soweit ist.“

Ja wenn es doch mal bloß schon soweit wäre. Irgendwie komme ich mir vor wie Asterix und Obelix in dem Teil, als sie die vermeintlich leichte Aufgabe lösen mussten, auf dem Einwohnermeldeamt den Passierschein A38 zu beantragen. Hm, ich könnte doch einfach ignorieren was der Mitarbeiter vom Wareneingang sowie der Kollege von Halle 7 zu mir gesagt haben. Fahre ich halt einfach zur der Entladestelle welche auch auf den Papieren steht. Ok, na dann mal los. Auf zur Ladestraße, Halle 5, Abteilung 1b.

Ich:

„Hallo, einmal 15 Paletten entladen bitte.“

Mitarbeiter Halle 5:

„Hier bist du falsch, das war früher so, wir entladen jetzt in Halle 6, Tor 11. Papiere musst du aber an der Halle 4, Südseite am Tor 2 abgeben. Danach fährst du zur Halle 6 und meldest dich im Büro am Tor 9.“

Ich:

„Warum steht das denn so nicht auf den Papieren? Woher soll ich denn dann wissen wo das hinkommt?“

Mitarbeiter Halle 5:

„Naja, eigentlich weiß das deine Firma. Zumindest weiß das der Mitarbeiter vom Wareneingang. Warum der dich hier her geschickt hat, ist mir ein Rätsel.“

Ich:

„Hat er ja nicht.“

Mitarbeiter Halle 5:

„Ja und wieso fährst du dann nicht gleich zur Halle 6, Tor 11? Dann darfst du dich auch nicht wundern, selbst schuld.“

Ich:

„Also, ich meine…er hat mich zur Halle 7 geschickt, weil er sich nicht sicher war wo das Material hinkommt. Was soll ich denn machen?“

Mitarbeiter Halle 5:

„Na Mensch Junge, anhand der Papiere hättest du doch schon sehen müssen, dass das ja nun gar nicht stimmen kann, oder haste dir die Papiere überhaupt nicht angeguckt?“

Ich:

„Boooooaaaaah, Rot anlauf, hyperventilier…alles ist plötzlich soooo schön bunt hier.“

Nach zweieinhalb Stunden des Umherirrens im Dschungel dieses Großkonzernes habe ich es endlich geschafft meine 15 Paletten zu entladen. Eine Hürde galt es vor meinem verdienten Feierabend noch zu meistern. Den Wareneingang mit dem Ausgangsstempel auf meinem Laufzettel. Mein heutiges Ticket in die Freiheit.

Mitarbeiter Wareneingang:

„Hä, wieso hast du denn jetzt in der Halle 6 am Tor 11 entladen? Du solltest doch zur Ladestraße, Halle 5, Abteilung 1b, bzw. Halle 7, Abteilung 4, Platz C, so wie es auch auf den Papieren steht?!?“

Ich:

„Das muss ja nicht immer stimmen was auf den Papieren steht, ne ;-) So und jetzt meinen Laufzettel bitte, ich hab Feierabend!“

3 Gedanken zu “Passierschein A38

  1. Spätestens beim letzten Satz des Freaks aus dem WE hätte ich ihn durch die Luke gezogen bzw alternativ seinen Kopf gegen die wand gehämmert. Vielleicht merkt er dann ja wieder einen Einschlag. Werksverbot kann so entspannend sein *gg*

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