Von oben herab

Lesezeit 2 Minuten

22.05.2013

Seit ca. 5 Minuten wird von den entgegenkommenden Kollegen über Funk vor einer Kamera gewarnt, welche von den Kontrollbehörden auf einer Autobahnbrücke installiert wurde. Diese Kamera wird dazu benutzt um Lkw Fahrern nachweisen zu können, dass sie im Fall eines Falles den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zum Vordermann nicht eingehalten haben.

50 Meter müssen es mindestens sein. Schade nur, dass sich einige Kollegen nur dann daran halten, wenn sie wissen, dass sie diesbezüglich von oben herab überwacht werden. Wieder raus aus der TV-Liveübertragung heißt es dann, wieder dicht ran an den Vordermann und links raus aus dem Windschatten.

Ich muss mir um solche Praktiken keine Gedanken machen. In meinem Lkw ist ein Abstandsassistent verbaut, welcher von alleine darauf achtet, dass ich nicht zu dicht auf den vor mir Fahrenden auffahre. Meine Aufgabe besteht nur darin darauf zu achten, dass dieser Assistent auch eingeschaltet ist. Ja das ist er, auch jetzt kurz vor der von oben auf mich herabschauenden Kamera. Aber Hossa, ein Pkw drängeld sich kurz vor mir in die rechte Spur und nimmt Sekunden später Anlauf für die nächste Ausfahrt. Eine Situation wie sie immer mal wieder vorkommt. Aber gerade jetzt?

Nun, dass die Verringerung des Sicherheitsabstandes nicht von mir, sondern von dem Pkw vor mir ausging, kann die Kamera ja eindeutig beweisen. Also, keine Panik, alles gut.

Aber denkste.

Am nächsten Parkplatz werde ich von den Beamten heraus gewunken. Hier erklärt man mir anhand des über mich aufgezeichneten Videomaterials, was ich angeblich falsch gemacht hätte.

Beamter:

“Sehen Sie, hier haben Sie nur 12 Meter Abstand zu dem vor ihnen fahrenden Pkw, das sind 36 Meter zu wenig”

, beschreibt der Beamte die Situation. 

Ich:

“Sie meinen bestimmt 38, aber das ist auch egal, wichtig ist dass ich nicht der Verursacher dieses Vergehens bin”

, versuche ich mich zu verteidigen.

“Wenn Sie das Video komplett zeigen würden und nicht nur den für Sie passenden Ausschnitt, dann würde daraus ganz klar hervorgehen, dass der Pkw kurz vor mir eingeschert ist und ich sogar noch gebremst habe”

, schiebe ich argumentativ hinterher.

Boah, das ist zu viel für den Beamten. Berechtigter Widerstand von einem Beschuldigten? Nein, das geht nicht.

Beamter:

“Dieser Videoausschnitt reicht für mich völlig aus um gegen Sie ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten”

, entgegnet er mir.

Ich:

“Sieht das ihr Vorgesetzter eigentlich auch so? Den würde ich jetzt gern mal zu dem Vorfall befragen“

, erwidere ich daraufhin. Der Beamte mit einem Stern mehr auf der Schulter steht nun vor mir:

Chefbeamter:

“Ja Sie haben Recht, ich hab mir das Video eben noch mal vollständig angesehen. Daraus ist klar erkennbar dass sie nicht Schuld sind.”

Ich:

“Sehen Sie”

, deute ich verbal auf den kontraproduktiven Beamten,

“selbst ihr Chef hat ein Einsehen.”

Aber irgendwie ist der Vorfall für den Beamten noch nicht ganz abgeschlossen, irgendwas ist noch nicht ganz rund. Da kommt doch bestimmt noch was. Mit diesem Gefühl der Erniedrigung wird sich der Beamte doch sicherlich nicht von mir verabschieden wollen.

Der Beamte:

“Sehen Sie zu dass Sie weiter kommen. Wenn Sie das nächste mal den Abstand nicht einhalten, kommen Sie nicht so glimpflich davon.”

Wusste ich es doch.

Ein Gedanke zu “Von oben herab

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