Beobachtungsgabe

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26.04.2013

Landschaftlich wunderschön gelegen und waagerecht direkt vor mir befindet sich die Schranke des Kunden, bei dem ich gern laden möchte. Betrieben wird diese Schranke vom Wachschutz des Unternehmens, welcher sich in einem Büro genau gegenüber dem Eingang zum Firmengelände befindet.

Um überprüfen zu können wer an dieser Schranke um Einlass bittet, ist an der Schranke ein Telefon sowie eine Überwachungskamera aufgebaut. Über das Telefon nimmt der um Einlass bittende LKW-Fahrer Kontakt mit dem Wachschutzleitstand auf und erklärt sein Anliegen. Im besten Fall öffnet sich danach die Schranke und man darf hinein zum Versand fahren.

Nicht so bei mir:

“Guten Tag, ich möchte gern laden für einen Kunden in Hamburg”

, eröffne ich am Telefon mein Anliegen.

“Dann fahren Sie mit ihrem LKW erst mal ein Stück zurück, stellen sich an die rechte Seite und warten bis ich mit der Schranke wippe”

, folgte daraufhin als Antwort vom Wachschutzkommandostand.

Ich:

“Wie jetzt – mit der Schranke wippen? Ich kann ihnen auch gern meine Telefonnummer vom LKW geben, dann brauchen sie mich nur kurz anrufen, wann ich zur Beladung reinfahren kann.”

Er:

„Nein, ich wippe dann mit der Schranke und dann können Sie reinfahren.“

Ok. Ich fahre aus dem Kameraüberwachungsbereich ein Stück zurück und stelle mich an die rechte Seite. So, nun heißt es beobachten und warten.

Was hätte ich in der Wartezeit nicht alles machen können. Lesen, schreiben oder vielleicht sogar die Augen schließen, um zu schauen, ob meine inneren Werte noch alle in Ordnung sind. Aber nein, ich muss wie gebannt auf diese Schranke schauen. Bewegt sie sich bzw. hat der Wachschutzmitarbeiter mit der Schranke gewippt oder nicht?

Ich bemerke während meiner Beobachtungsphase, dass bereits 2 LKW diese Schranke nach kurzem Telefonat ohne Probleme passiert haben. Wie kann das sein? Warum können die einfach reinfahren und ich muss hier wie ein Mikadospieler darauf lauern, dass sich etwas bewegt.

14 Minuten sind seit meinem Erstkontakt mit dem Mitarbeiter der Wachschutzkommandobrücke vergangen und die Uhr über der Schranke deutet allmählich auf einen Schichtwechsel in diesem Unternehmen hin. Und da kommen sie auch schon, die ersten Mitarbeiter der Frühschicht, in Richtung Schranke. Zwei Mitarbeiter fallen mir dabei besonders auf. Die Arbeitskleidung die sie tragen, sieht nämlich sehr verdächtig nach der eines Mitarbeiters vom Wachschutz aus. Als die beiden an meinem LKW vorbeigehen vernehme ich ein leichtes Grinsen in ihren Gesichtern. Na, wenn da mal nicht der Kollege von vorhin vom Telefonat mit dabei ist? Kann, aber muss ja nicht sein.

Ich konzentriere mich mit meinen Blick wieder auf die Schranke und hoffe, dass sie mir endlich das zugesagte Zeichen des Wippens entgegenbringt. Nichts bewegt sich, dafür klopft es an meiner Fahrertür. Einer dieser beiden Wachschutzkommandeure steht da und sagt:

„Fahr mal ein Stück vor, Du stehst mit dem Ende Deines LKW`s vor meinem Auto. Ich kann nicht raus fahren.“

Im Rückspiegel sah es vorhin schon knapp aus. Aber ich dachte, wenn der betreffende Autobesitzer kommen würde, dann würde ich einfach nur ein Stück vorfahren.

Ich:

„Sind Sie der Kollege mit dem ich vorhin am Telefon gesprochen habe und der mir gesagt hat, dass ich warten soll, bis Sie mit der Schranke wippen?“

Er:

„Ja und jetzt fahr endlich vor, dass ich raus kann, ich hab Feierabend!“

Ich:

„Und ich muss warten. Setzen Sie sich am besten in Ihr Auto und warten bis ich reinfahren darf. Ich gebe Ihnen dann auch rechtzeitig Bescheid und klappere mit den Hecktüren.“

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