Einer wie der andere

Lesezeit 2 Minuten

18.03.2013

Anruf vom Disponenten:

“Bitte einmal um 17 Uhr laden für einen Kunden der heute unbedingt noch angeliefert werden muss. Von Deiner Fahr- und Schichtzeit sollte es ja noch passen, wenn alles gut läuft.”

Ja wenn, aber ok, erst mal auf zur Beladestelle. Ich melde mich um ca 15:30 Uhr, eineinhalb Stunden vor Termin, im Versandbüro an:

“Das dauert noch etwas, aber Du hast ja eh erst um 17 Uhr Ladetermin”

, entgegnet mir der Mitarbeiter. Stimmt, dann ab in die Kantine und die Wartezeit mit etwas Kaffee und Kuchen überbrückt. Das hier von mir ausgegebene Geld könnte man gut und gerne auch als Überbrückungsgeld bezeichnen.

So, die Wartezeit ist um und langsam kann bzw. sollte es mit der Beladung losgehen. Meine Schichtzeit endet nämlich genau um 20:30 Uhr, dann muss ich meine gesetzlich vorgeschriebene Pause von 11 Stunden einlegen. Sollte allerdings alles nach Plan laufen, hieße das für mich, hier laden, beim Kunden entladen und danach Feierabend. Dazu bedarf es aber erstens einer pünktlichen Beladung und zweitens einer guten Zusammenarbeit aller am Transportprozess Beteiligten.

Meinen Teil der Vereinbarung habe ich ja insoweit schon mal erfüllt. Mein Gegenüber scheint hier allerdings noch ein paar Schwierigkeiten zu haben.

Mittlerweile ist es 17:23 Uhr. Im Versandbüro weise ich den zuständigen Mitarbeiter auf mein Problem mit meiner ablaufenden Schichtzeit sowie der verspäteten Beladung hin und dass der Kunde eventuell deswegen auch nicht mehr am selben Tag angeliefert werden könne. Mir hallt es forsch entgegen:

“Der Kunde muss unbedingt heute noch angeliefert werden, das ist wichtig! Du bist gleich dran.” 

Die Uhr dreht sich unaufhörlich weiter im Uhrzeigersinn. Nur eben nicht in meinem Sinn und in dem des zwingend anzuliefernden Kunden schon mal garnicht.

Um 17:54 Uhr darf ich dann endlich zur Beladung in die Halle fahren. Hier geht alles wie versprochen ganz schnell. Jetzt noch schnell im Versandbüro die Papiere geholt und dann sollte ich eigentlich auch schon los können. Ich beeile mich, denn in 5 Minuten hat der Versandmitarbeiter Pause. Am Abfertigungsschalter angekommen, schiebt mir der besagte Mitarbeiter mit den Worten: 

“In 30 Minuten geht´s weiter, ich hab jetzt meine vorgeschriebene Pause“

, die Luke vor meiner Nase zu. Oha, war die Ladung nicht eilig und sollte dringend heute noch angeliefert werden? Naja ok, dann halt nicht. Was will man da machen, Vorschrift ist Vorschrift.

Die nächsten 30 Minuten verbringe ich mit Warten. Gleichzeitig bereite ich mich schon mal mental auf meinen Feierabend vor. Um Punkt 19:00 geht dann die Luke wieder auf und der aus der Pause frisch erholte Mitarbeiter reicht mir meine Frachtpapiere mit dem Satz:

“Sieh zu dass du Gas gibst. Die warten auf das Material!”

Ich:

“Da ich ab 20:30 Uhr meine vorgeschriebene Pause einlege, wird das heute leider nix mehr!”

Der Mitarbeiter sauer:

“Wie, was Pause? Das geht nicht, was soll ich denn dem Kunden sagen?”

Ich:

“Na, dass die vorgeschriebene Pause des Versandbüromitarbeiters den Fahrer des LKW`s vor Ankunft beim Kunden auch dazu gezwungen hat, seine vorgeschriebene Pause einzulegen, nachdem er dann morgen früh pünktlich zur Entladung bereitstehen wird…. aber nur, wenn Du Dich auch traust ;-)”

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.