Immer vorne weg

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17.01.2013

Sei es am Tage oder in der Nacht, fahren muss ich immer.

Der Vorteil des Tages liegt klar auf der Hand, ich kann nachts schlafen. Muss ich allerdings nachts arbeiten, dann ist es der geringe Verkehr auf den Straßen. Eigentlich, denn immer öfter entdecke ich nachts Fahrzeuge, die mit viel oder wenig Verkehr im eigentlichen Sinne relativ wenig zu tun haben. Es sind Schwertransporte, die mit Rundumleuchten und Begleitfahrzeug ausgestattet, ein mittelschweres Heizkraftwerk von hier nach da transportieren.

Meine Freude darüber ist dann auch doppelt so groß, wenn ich feststellen muss, dass das mit Innerortsgeschwindigkeit vor mir her rollende Unikum auf der dreispurigen Autobahn jetzt mal rein platztechnisch gesehen, schon überholt werden könnte, aber leider nicht überholt werden darf. Das geht ganz klar aus dem großen und grell leuchtenden Lkw-Überholverbotsschild auf dem Dach des Begleitfahrzeuges hervor, welches leicht versetzt auf der mittleren Spur hinter dem Schwertransporter fährt. So heißt es dann für mich und eigentlich auch die Kollegen, rechts hinter dem 638-Tonnen-Boliden bleiben und hoffen, dass dieser bald wieder die Autobahn verlässt, um danach mit handelsüblicher Geschwindigkeit weiter voranzukommen.

Doch zuvor gibt es noch eine Sache zu bewerkstelligen, für die es augenscheinlich noch keine Lösung zu geben scheint.

Ich bemerke, wie auf der mittleren Spur neben mir immer wieder LKW an mir vorbeifahren und vorn, kurz vor dem Begleitfahrzeug mit besagtem Schild auf dem Dach, dann rechts blinken und sich in die hinter dem fahrenden Heizkraftwerk wartende Schlange hinein nötigen. So werde ich Stück für Stück weiter nach hinten durchgereicht.

Interessant ist dabei auch zu beobachten, wie LKW´s aus der rechten Schlange, die so wie ich auch nach hinten durchgereicht wurden, aus Trotz, Scham oder dem Gefühl der Angst verloren zu haben, links blinken und versuchen sich auf der mittleren Spur wieder nach vorn zu arbeiten. Mich erinnert das irgendwie an Mannschaftsbahnradsport, nur dass hier nicht am gemeinsamen Erfolg des Teams gearbeitet wird, sondern eher die Leistung des Einzelnen im Vordergrund zu stehen scheint.

Da ich keine Lust habe, mich an diesem Wettbewerb zu beteiligen, fahre ich an der nächsten Raststätte von der Autobahn runter und nach ca. 5 Minuten wieder drauf. Nach ca. 3 gefahrenen Kilometern entdecke ich weit am Horizont vor mir ein kleines grelles Schild und denke:

“Das wird doch wohl hoffentlich kein Heizkraftwerk sein?”

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